Favorit Italien will eine vier Jahre alte Rechnung mit dem "Fliegenden Holländer" Guus Hiddink begleichen, Australiens Coach mit dem Underdog den größten Coup in der Fußball- Geschichte des Fünften Kontinents landen. Im Achtelfinale gegen das Überraschungsteam aus Down Under brennt die "Squadra Azzurra" auf die Revanche für den 2002 erlittenen K.o. gegen die damals von Hiddink trainierten Südkoreaner. "Jetzt werden wir Rache nehmen", kündigte Torwart Gianluigi Buffon an. Für Hiddink ist das erneute Aufeinandertreffen mit dem dreimaligen Weltmeister weniger emotional. "Italien hat ein ganz anderes Team, einen anderen Trainer. Sie sind viel stärker. Zwar sind noch einige Spieler von damals dabei, aber die beiden Spiele sind nur schwer zu vergleichen. Nur eins ist wieder wie 2002: Italien ist der haushohe Favorit und wir werden wieder alles versuchen", kündigte der 59- jährige Weltenbummler einen großen Kampf an. Kollege Marcello Lippi erwiderte: "Diese Geschichte vom großen Außenseiter ist ein Trick. Hiddink ist eben schlau." Verärgert zeigte sich der Coach am Sonntag über einige italienische Pressevertreter. Diese hatten ihm vorgeworfen, er würde sie mit zu wenigen Informationen versorgen. Lippis Konter kam prompt: "Hört auf mich ständig anzurufen. Ich gebe dem Gegner doch keine Informationen über uns."Lippis Akteure sind bereit, die Herausforderung der Australier anzunehmen. "Wir sind echte Kerle", betonte Buffon. Italien habe nicht nur Künstler wie Francesco Totti, sondern auch Kämpfer wie Gennaro Gattuso oder Fabio Cannavaro, die "ein Fußballspiel als Schlacht verstehen", sagte der bislang fehlerfreie Keeper. Die "Azzurri" ließen sich weder vom Fußball-Skandal in der Heimat ablenken noch vom robusten Gegner einschüchtern. Totti: "Australien ist die Überraschung der WM, aber wir lassen uns nicht überraschen."Der Respekt vor dem Außenseiter ist jedoch groß. "Vorsicht, Hiddink hat wieder eine Falle aufgestellt!", warnte "La Gazzetta dello Sport". Diesmal wollen die "Azzurri" aber nicht hineintappen und den Betzenberg in Kaiserslautern nach dem schwachen 1:1 gegen die USA im zweiten Anlauf erobern. "Wir werden sie nicht unterschätzen, aber wir wissen, was wir können", so Lippi selbstbewusst. Dennoch hat er sein seit 21 Spielen ungeschlagenes Team mit ausgiebigen Video- Sitzungen vorbereitet und sogar Elfmeterschießen trainieren lassen.Der 58-Jährige, der bei der WM mit seinen Aufstellungen und Einwechslungen bislang ein goldenes Händchen bewies, macht aus der Startformation wie immer ein Geheimnis. Höchstwahrscheinlich startet der Coach mit Ausnahme des verletzten Alessandro Nesta (Adduktoren- Zerrung) mit der Elf des 2:0-Sieges gegen Tschechien. Ihn soll Marco Materazzi an der Seite von Abwehrchef Cannavaro vertreten.Auch Hiddink ließ sich nicht in die Karten schauen und behielt Taktik und Aufstellung für sich. Nur in einer Personalie schaffte Australiens Coach Klarheit: Mark Schwarzer kehrt nach der katastrophalen Leistung von Zeljko Kalac gegen Kroatien ins Tor zurück. "Normalerweise verrate ich nichts, aber das wird so sein."Im Duell David gegen Goliath soll den Italienern das Lachen vergehen. "Der Druck liegt bei Ihnen. Wir haben nichts zu verlieren und sie werden vor uns gewarnt sein", sagte Kapitän Mark Viduka. Allerdings sind sich alle im Team über die eigene Außenseiterrolle und die Schwere der Aufgabe einig. "Wir werden versuchen, sie das ganze Spiel unter Druck zu setzen. Wenn wir ihnen zu viel Platz lassen, werden sie uns wehtun", erklärte Abwehrspieler Lucas Neill.Hiddink muss den Ausfall des gesperrten Brett Emerton (Blackburn Rovers) verkraften. "Mit seiner enorm athletischen Spielweise ist er sehr wichtig für uns. Er ist einer der fittesten Spieler der WM. Er wird uns sehr fehlen." Der Coach macht sich auch noch Sorgen um Harry Kewell. Der Star musste beim Abschlusstraining der "Socceroos" am Sonntag wegen Leistenproblemen passen. Sein Einsatz ist fraglich.