Daniele de Rossi ist ein eisenharter Verteidiger der italienischen Nationalmannschaft. In seiner Pflichterfüllung ging er küzlich sogar so weit, dem US-Stürmer McBride seinen Ellenbogen ins Gesicht zu rammen. Viel Blut war die Folge, eine rote Karte und eine Sperre für vier Spieltage.

De Rossi – das hat er schon mehrmals bewiesen – hält Treten und Schlagen für ein legitimes Mittel zur Verteidigung des Torraumes. Mit normalen Maßstäben gemessen ist das natürlich schlimm - aber was ist schon normal an der italienischen Nationalmannschaft?

Im Tor, das der Treter de Rossi abschirmt, steht Gigi Buffon, der sich vor einiger Zeit noch die 88 als Nummer für sein Shirt wünschte. Als man ihn darauf aufmerksam machte, dass die 88 in Italien eine Chiffre für Heil Hitler ist, sagte er: "Wie sollte ich das wissen?" Recht hat er. Buffon ist Torwart, nicht Historiker. Da darf man nicht mehr erwarten.

Überhaupt sollte man nicht streng sein mit den italienischen Spielern. Sie zeigen guten Fußball und sehen auch noch gut aus. Eine bisschen Gewalt, ein bisschen Faschismus, was macht das schon? Wenn diese Prachtkerle sich mal daneben benehmen, ist es auf ihre jugendliche Ungestümtheit zurückzuführen. Selbst wenn Blut fließt – der italienische Spieler ist immer unschuldig.

Wer das nicht glauben will, dem gibt Marco Materazzi Nachhilfe. Als der Verteidiger gegen Tschechien das 1:0 schoss und Italien damit auf den Weg ins Achtelfinale brachte, sagte er: "Dieses Tor ist ein Zeichen göttlicher Gerechtigkeit. Denn über den Spieler Materazzi könnt Ihr sagen, was ihr wollt, aber als Mensch habe ich einige Ungerechtigkeit erlebt!"

Gemeint war die Kritik, die er sich zugezogen hatte, nachdem er vor zwei Jahren einem Gegenspieler die Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Dass diese Kritik vielleicht nicht unangebracht war, kommt Materazzi bis heute nicht in den Sinn. "Aus diesem Grund widme ich dieses Tor Daniele de Rossi: Er verdient es. Er hat einen Fehler gemacht und er wird dafür zahlen, aber im Grunde ist er doch nur ein Junge von 23 Jahren!"

Was soll man dazu noch sagen?

Vielleicht das: Vier Spitzenvereine der italienischen Liga - Juventus Turin, AC Mailand, Lazio Rom und AC Florenz - kommen vor Gericht. Sie haben, so die Anklage in aller Kürze und Schärfe, "die Tifosi systematisch betrogen" – Funktionäre, Trainer und Spieler sollen nach Kräften betrogen, manipuliert und gefälscht haben. Was das mit der italienischen Nationalmannschaft zu tun hat? Natürlich nichts.