In einer wahren Fußball-Schlacht hat Angstgegner Portugal den niederländischen Traum vom WM-Titel zerstört. Die Portugiesen besiegten das Oranje-Team am Sonntag im Achtelfinale glücklich mit 1:0 und zogen 40 Jahre nach ihrem dritten WM-Platz erstmals wieder in ein Viertelfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft ein. Den entscheidenden Treffer der nahezu skandalösen Partie erzielte Maniche in der 23. Minute.

Schiedsrichter Valentin Ivanov stellte in der überharten und hektischen Partie den bisherigen WM-Rekord mit 16 gelben Karten - davon vier mit Platzverweis - ein. Er schickte die Portugiesen Costinha in der ersten Halbzeit und Deco nach der Pause sowie die Niederländer Khalid Boulharouz und Giovanni van Bronckhorst im zweiten Abschnitt mit gelb-roter Karte vorzeitig in die Kabine. "Es war nicht so schlimm, wie die vier Platzverweise das aussagen. Der Schiedsrichter hat uns etwas die Show gestohlen und uns nicht spielen lassen", meinte Torschütze Maniche.

Während der Vizeeuropameister am Samstag in Gelsenkirchen nun auf England trifft, verpassten die Niederländer die Revanche für das Halbfinal-Aus bei der EM 2004 und warten nach 15 Jahren weiter auf einen Sieg gegen Portugal. "Der Sieg war großartig. Jetzt gewinnen wir auch die nächsten Spiele und kommen ins Finale", sagte Portugals Kapitän Luis Figo. Niederlandes Torwart Edwin van der Sar trauerte: "Es war ein Spiel der verpassten Chancen. Wir hätten gleich die erste nutzen müssen. Das war's dann."

Bondscoach Marco van Basten machte seine Ankündigung wahr und verpasste Ruud van Nistelrooy einen Denkzettel. Er setzte den Torjäger von Manchester United wegen Formschwäche auf die Bank und gab dem Rotterdamer Dirk Kuyt eine Chance von Beginn an. HSV-Profi Rafael van der Vaart musste zunächst trotz seiner starken Leistung im letzten Gruppenspiel gegen Argentinien seinen Mittelfeld-Platz wieder an Mark van Bommel abgeben. Portugals Coach Luiz Felipe Scolari griff wieder auf seine Stammformation zurück, nachdem er gegen Mexiko noch fünf Leistungsträger geschont hatte.

Die Niederländer bemühten sich von Beginn an, Druck zu machen und hatten schon nach einer Minute die erste Chance. Van Bommels 18- Meter-Schuss ging knapp am Tor der Portugiesen vorbei. Doch fehlte der "Elftal" insgesamt die ordnende Hand im Mittelfeld, um ein durchdachtes Angriffsspiel auszuziehen. Gefährlich waren die Niederländer nur durch Einzelaktionen wie von Robin van Persie. Nach tollem Dribbling verzog er jedoch seinen Schuss aus kurzer Entfernung.

Portugal wirkte kompakter und reifer. Die Iberer spielten aus einer sicheren Abwehr, ohne aber zunächst zu gefährlichen Situationen zu kommen. Mit der ersten Chance fiel das erste Tor: Eine Kombination von Deco und Pauleta schloss Maniche ab und ließ dabei aus elf Metern Niederlandes neuem Rekordnationalspieler Edwin van der Sar keine Chance.

Doch die Portugiesen hatten auch großes Pech: Stürmerstar Cristiano Ronaldo schied nach 34 Minuten mit einer Oberschenkelverletzung aus. Die Blessur hatte er sich in der achten Minute bei einem überharten Foul des HSV-Verteidigers Boulahrouz zugezogen. Die umstrittene Entscheidung des Schiedsrichters, für diese Brutalität nur die gelbe Karte zu zeigen, war vermutlich bestimmend für den weiteren Spielverlauf: Beide Mannschaften geizten nun nicht mehr mit Tätlichkeiten.

Portugals Trainer Scolari brachte zur zweiten Halbzeit Petit für die letzte verbliebene Angriffspitze Pauleta und setzte voll auf Defensive. In Überzahl berannten die Niederländer das Tor der "Seleccao" und bekamen Chancen im Minutentakt. Die beste vergab Phillip Cocu vier Minuten nach dem Wiederanpfiff mit einem Schuss an die Latte. Portugal rettete den Sieg dennoch über die Zeit.

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