Trotz Rauchverbots im Stadion und der mittelmäßigen Leistung seiner Mannschaft gegen Portugal konnte Ricardo de la Volpe ruhig blieben. Der so oft brüllende mexikanischeTrainer schien manchmal eher müde als aufgeregt. Im Vergleich zu Luiz Felipe Scolari, dem stets aufgeregten brasilianischen Trainer von Portugal. Oder war das Verhalten des charismatischen Coachs Ausdruck von Sorge, die ihm das letzte Spiel der Vorrunde bereitete?

Mexiko spielt seit Beginn des Turniers – und auch schon vorher – keinen überragenden Fußball. Zwar war das Ergebnis 3:1 gegen den Iran eindeutig, doch hatten die Perser unerwartete Schwäche bewiesen. Im zweiten Spiel gegen Angola, sogar beim Überzahlspiel, konnten die Lateinamerikaner die afrikanische Abwehr nicht fordern. Und heute?

Trotz einer Niederlage sind Mexikos Fußballer zum vierten Mal nacheinander ins Achtelfinale einer Weltmeisterschaft eingezogen. Die Mannschaft von Trainer Ricardo La Volpe verlor am Mittwoch in Gelsenkirchen zwar ihr letztes Vorrundenspiel gegen Gruppensieger Portugal mit 1:2, doch weil die Angolaner in Leipzig gegen den Iran nicht über ein 1:1 hinauskamen, reichte dieses Resultat zum Weiterkommen.

Mit dem dritten Sieg legten die Portugiesen vor den Augen von Fußball-Legende Eusebio den besten WM-Start seit 40 Jahren hin. Sie bestreiten ihr Achtelfinale am Sonntag in Nürnberg gegen den Zweiten der Gruppe C. Die Mexikaner spielen bereits am Samstag in Leipzig gegen den Sieger der Gruppe C und damit den möglichen deutschen Kontrahenten für das Viertelfinale aus. Als Gegner in der K.o.-Runde kommen Argentinien oder die Niederlande in Frage.

Maniche und Simao mit einem Handelfmeter brachten die nur mit einer B-Elf angetretenen Portugiesen vor über 50.000 Zuschauern in Führung. Francisco Fonseca traf für die Mexikaner, bei denen Omar Bravo mit einem verschossenen Foulelfmeter die Chance zum Ausgleich vergab und Luis Perez die gelb-rote Karte sah, weil er einen weiteren Elfmeter schinden wollte. Die seit 17 Partien ungeschlagenen Portugiesen bescherten ihrem Trainer Luiz Felipe Scolari gleich zwei Jubiläen: Der 30. Länderspielsieg mit Portugal war zugleich der zehnte WM-Sieg in Serie für den brasilianischen Weltmeister-Coach von 2002, der damit unerreicht ist.

Beim "Hallenfußball" unter dem geschlossenen Dach des Schalker Stadions bekamen die Fans auch vom zweiten Anzug der Portugiesen tollen Angriffsfußball zu sehen. Scolari schonte alle fünf Gelbsünder, um eine Sperre für das Achtelfinale zu vermeiden. Von den sieben WM-Spielern, die 2004 mit dem FC Porto das Champions-League- Finale in Gelsenkirchen gewonnen hatten, standen nur Ricardo Carvalho und Maniche in der Startelf. Auf der anderen Seite verzichtete Mexikos Trainer La Volpe in Gerardo Torrado lediglich auf einen verwarnten Spieler, ließ nach dem 0:0 gegen Angola aber auch die enttäuschenden Offensivkräfte Zinha und Guillermo Franco draußen. Franco-Ersatz Fonseca erwies sich als Glücksgriff. Mit einem Flachschuss aus kurzer Entfernung setzte er das erste Achtungszeichen. Doch Portugals Edelreservisten waren um eine passende Antwort nicht verlegen: Nach schöner Vorarbeit von Simao vollendete Maniche.

Ähnliche Schonungstaktiken konnte sich Angolas Trainer nicht leisten. Trotz ihres ersten Tores der WM-Geschichte haben die "Schwarzen Antilopen" den Einzug ins Achtelfinale verpasst. Im letzten Gruppenspiel trennten sich die Afrikaner mit einem 1:1 vom Iran und konnten damit nicht von der gleichzeitigen Niederlage Mexikos gegen Portugal profitieren. Flavio brachte den WM-Neuling am Mittwoch vor 38.000 Zuschauern in Leipzig zwar in Führung, doch Sohrab Bakhtiarizadeh glich noch aus. Beide Teams müssen nun ohne Sieg die Heimreise antreten.

Trotz der Ankündigung von Trainer Luis Oliveira Goncalves, angesichts der kleinen Achtelfinal-Chance mehr riskieren zu wollen als zuletzt, begann Angola mit nur einem Angreifer. Der gesperrte André wurde, statt von Stürmer Love, von Miloy, einem weiteren Mittelfeldspieler, vertreten. Bei drückenden 34 Grad versuchten die Außenseiter ihr Glück vor allem mit langen Bällen, ein Kombinationsspiel im Mittelfeld fand nicht statt. Bis auf harmlose Fernschüsse und einige Eckbälle brachte Angola nichts zu Stande.