Berlin (dpa) - Ganz Fußball-Deutschland glaubt mittlerweile felsenfest an den WM-Triumph - doch die Freude auf den Klassiker im Halbfinale gegen Italien hat am Sonntagabend einen herben Dämpfer erhalten: Der Sturmlauf der deutschen Elf gegen die Azzurri muss vielleicht ohne Torsten Frings stattfinden.

Der Weltverband FIFA hat ein Disziplinarverfahren gegen den Mittelfeldspieler eröffnet, weil diese an den Tumulten nach dem Spiel gegen Argentinien beteiligt gewesen sein soll. "Nach Ansicht neuer Fernsehbilder hat die Disziplinarkommission der FIFA festgestellt, dass Frings mit großer Wahrscheinlichkeit aktiv involviert war", sagte FIFA-Mediendirektor Markus Siegler.

Die Bilder zeigen eine angebliche Handgreiflichkeit von Frings gegen einen Argentinier. Eine Entscheidung im Fall Frings soll noch vor dem Halbfinale gegen Italien getroffen werden. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte zunächst zurückhaltend: "Ich kenne die Details nicht. Man muss die Entwicklungen abwarten", sagte Präsident Theo Zwanziger der dpa.

Bislang hatte im deutschen Quartier eine prächtige Stimmung und große Zuversicht geherrscht. "Die Welt hat wieder Angst vor der deutschen Mannschaft", erklärte Teammanager Oliver Bierhoff mit breiter Brust nach dem Ende der über fünfjährigen Negativserie gegen große Fußball-Nationen. Co-Trainer Joachim Löw fügte nach dem WM-Aus der Brasilianer und den damit rein europäischen Halbfinal-Spielen scherzhaft an: "Weltmeister sind wir vor zwei Tagen geworden, jetzt wollen wir noch Europameister werden." Dabei plant die sportliche Leitung mit Kapitän Michael Ballack und dem besten WM-Torschützen Miroslav Klose, die sich mit Blessuren an den Waden plagen. "Beide können spielen", sagte Löw am Sonntag.

Am Dienstag (21.00 Uhr) soll im "Wohnzimmer" Dortmund, wo eine DFB-Elf noch nie ein Länderspiel verloren hat, zunächst die nächste schwarze Serie beerdigt werden. "Jetzt nehmen wir uns Italien vor", verkündete Torwarttrainer Andreas Köpke und brachte damit das gewachsene Selbstbewusstsein zum Ausdruck. Noch nie hat eine deutsche Nationalmannschaft bei einer WM allerdings gegen die Squadra Azzurra gewonnen. Na und? Klinsmann schert sich nicht um die Historie: "Wir schauen nur nach vorne."

Nach einer Familien-Party im Schlosshotel, mit der kurz das 4:2 im Elfmeterschießen gegen Argentinien gefeiert wurde, bat Klinsmann sein Personal am Sonntag zur Vorbereitung auf das WM-Halbfinale. Der Kampf um Kapitän Ballack und den 1:1-Torschützen Klose (jetzt schon 5 Turnier-Tore), neben Elfmeter-Held Jens Lehmann und Kämpfer Torsten Frings die entscheidenden Figuren beim Sieg über Argentinien, hatte jedoch schon unmittelbar nach dem Ende des Elfmeter-Dramas begonnen.