Die 93. Tour de France in Straßburg startet ohne den Favoriten Jan Ullrich und seinen Helfer Oscar Sevilla. Schon am Donnerstag meldete der spanische Radiosender Cadena Ser, dass der Name des T-Mobile-Kapitäns im polizeilichen Ermittlungsbericht zur Doping-Affäre auftaucht. An diesem Freitag hat der Radrennstall T-Mobile seine beiden Stars und Ullrichs Betreuer Rudy Pevenage mit sofortiger Wirkung suspendiert.

Ullrich hatte am Mittwoch jegliche Verwicklung in die Affäre bestritten. "Ich beteure nochmals meine Unschuld. Ich habe damit nichts zu tun", wiederholte Ullrich. "Ich habe noch nie in meiner Karriere betrogen". Auch die Vorwürfe der spanischen Tageszeitung El País wies Ullrich nachdrücklich zurück: "Ich habe mit den Spekulationen einer spanischen Tageszeitung nichts zu tun. Ich habe einen Anwalt eingeschaltet."

Nachdem der Ermittlungsrichter Antonio Serrano die Geheimhaltung aufgehoben hatte, waren 12 Fahrernamen genannt worden. neben Ullrich und Oscar Sevilla stehen noch die Namen folgender Profis in der noch gültigen Starterliste der Tour: der des italienischen Giro-Gewinners Ivan Basso, dazu Francesco Mancebo, Juan-Antonio Flecha, Joseba Beloki (alle Spanien) und Giovanni Lombardi (Italien). Die Tour-Organisation hatte festgestellt, sie reagiere nicht, bevor von offizieller Seite juristisch relevante Vorwürfe bekannt würden

Fünf Wochen nach der Aufdeckung des Skandals haben die Ermittler insgesamt 58 angeblich verwickelte Radprofis nach Informationen der Zeitung El País identifiziert . In einem 500 Seiten starken Bericht der Guardia Civil sind die gegen die Sportler vorliegenden Indizien aufgelistet. T-Mobile hat nach Aussage von Sprecher Stefan Wagner die Liste von der Guardia Civil am Donnerstag angefordert.

Jens Voigt (Berlin) reagierte am Donnerstag in Straßburg, kurz bevor bekannt wurde, dass auch sein Kapitän und Ivan Basso verwickelt sei, heftig: "Zieht sie raus und werft sie auf den Scheiterhaufen. Anscheinend ist das eine größere Geschichte als der Festina-Skandal von 1998. Ich hätte nicht geglaubt, dass so eine große Sache jahrelang illegal funktioniert. Da kann was Schlimmes auf uns zukommen." Erik Zabel hatte am Vortag von einem drohenden "Flächenbrand, der nicht mehr zu löschen ist", gesprochen.