"Die meisten Personen erschrecken und flüchten ins Freie. Möbel werden verschoben. Gegenstände fallen in großen Mengen aus Regalen. An vielen Häusern solider Bauart treten mäßige Schäden auf. Gebäude in schlechterem Zustand zeigen größere Mauerrisse und Einsturz von Zwischenwänden."

Dieses Schreckensszenario stammt nicht aus dem Drehbuch eines Actionfilms, sondern aus einem Papier des GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) und beschreibt, was bei einem Erdbeben zu erwarten ist, dessen Wirkungen in die Kategorie VII auf der zwölfteiligen Europäischen Intensitätsskala fallen. Die Skala misst die Stärke der Erschütterungen an einem bestimmten Ort - nicht zu verwechseln mit der Richterskala, mit der die Stärke des Bebens selbst angezeigt wird.

Ein Erdbeben trifft die Menschen meist unvorbereitet, Vorhersagen und Warnungen sind kaum möglich . Bekannt sind aber die Gebiete, die besonders gefährdet sind - auch viele Urlaubsgebiete gehören dazu, unter anderem die Türkei, Griechenland, der Süden Italiens sowie die beliebten Fernreiseziele Südostasien und die Westküste Nord- und Südamerikas. Aber welcher erdbeben-unerfahrene Mitteleuropäer weiß schon, wie er sich im Notfall verhalten soll? Ausführliche Informationen dazu gibt das GFZ in seinem "Merkblatt Erdbeben". Regel Nummer eins: keine Panik! Nicht aus dem Fenster springen, sondern Schutz unter einem stabilen Tisch oder einem verstärkten Türrahmen suchen. Halten Sie sich von unbefestigten Regalen und schweren Gegenständen wie Kronleuchtern fern. Erst wenn das Beben vorbei ist, sollten Sie versuchen, das Gebäude zu verlassen - jedoch ohne den Fahrstuhl zu benutzen.

Wer sich während eines Erdbebens im Freien aufhält, sollte einen offenen Platz suchen. Gebäude, enge Gassen, Straßenlaternen und Versorgungsleitungen meidet man besser. Ähnlich der Rat an Autofahrer: Fängt die Erde während der Fahrt an zu beben, sollten Sie sofort den Straßenrand ansteuern und im Auto bleiben, solange die Erschütterungen anhalten. Erst danach kann vorsichtig weitergefahren werden, auf keinen Fall aber über Brücken. Wenn Sie Ihr Fahrzeug stehen lassen, achten Sie darauf, dass Ihr Fahrzeug nicht den Weg für später anrückende Rettungsfahrzeuge versperrt.

Wie die Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 in Südostasien gezeigt hat, kann eine von einem Erdbeben ausgelöste Flutwelle unter Umständen verheerender sein als das Beben selbst. Wer sich also während eines Bebens an einer flachen Küste aufhält, sollte unbedingt die Tipps befolgen, die das GFZ in seinem "Merkblatt Tsunami" gibt. Dazu gehört, sich so schnell wie möglich vom Meer zu entfernen und höher gelegenes Gelände aufzusuchen. Dies gilt auch für den Fall, dass der Wasserspiegel innerhalb weniger Minuten unerwartet an- oder absteigt - ein Tsunami ist dann wahrscheinlich nicht mehr weit. Wer sich nach einer Tsunamiwarnung auf einem Boot befindet, sollte keinesfalls einen Hafen anlaufen, sondern im Gegenteil aufs offene Meer hinausfahren, da die Wellen im tiefen Wasser in der Regel kaum zu bemerken sind.

Übrigens muss man keineswegs bis nach Japan, Pakistan oder Kalifornien fahren, um das eingangs beschriebene Szenario zu erleben - laut GFZ besteht immerhin eine zehnprozentige Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Beben im Laufe von 50 Jahren auf der Schwäbischen Alb, um Aachen oder in der Nähe von Basel auftritt.

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