Deutschland und Italien verbindet eine enge, wenn auch nicht immer innige Beziehung. Italien war einmal das Lieblingsurlaubsland der Deutschen und die italienische Küche hat bei uns ihren festen Platz erobert. Dass Deutsche und Italiener auch auf dem Fußballplatz ein Liebesverhältnis verbindet, kann man jedoch nicht behaupten. Dafür hat es bei den bisherigen Aufeinandertreffen, bei Welt- und Europameisterschaften wie im Vereinsfußball, zu viele umstrittene und Skandal umwitterte Partien gegeben.

Die Begegnung beim WM-Halbfinale 1970 ging als Jahrhundertspiel in die Fußball-Geschichte ein. Damals erzielte Karl-Heinz Schnellinger in der 90. Minute den Ausgleichstreffer, durch den Deutschland sich in die Verlängerung retten konnte. Schnellinger selbst spielte damals bereits seit 1963 beim AC Mailand, mit dem er große Erfolge feierte.  Am Ende jedoch verlor die DFB-Elf das Spiel gegen die starken Italienern  mit 3:4. Zur tragischen Figur wurde damals Franz Beckenbauer, der sich eine schmerzhafte Schulterverletzung zugezogen und auf dem Platz die Niederlage seiner Mannschaft tatenlos hinnehmen musste, da die deutsche Elf ihr Wechselkontingent bereits ausgeschöpft hatte.

Bei der Weltmeisterschaft 1982 trafen beide Mannschaften erst im Finale aufeinander. Deutschland hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen Titel sicher, den der unbeliebtesten Mannschaft des Turniers. Im letzten Spiel der Vorrunde hatte sich die deutsche Elf mit ihren österreichischen Gruppengegnern auf einen knappen Sieg "geeinigt", wohl wissend, dass dieser beiden Mannschaften das Weiterkommen garantieren würde, allerdings zu Lasten des Teams aus Algerien. Der Ruf der Deutschen bei diesem Turnier wurde völlig ramponiert, als Harald "Toni" Schumacher im Halbfinale den Franzosen Battiston brutal foulte. Die Folge: einige verlorene Zähne und eine Gehirnerschütterung beim Franzosen sowie die  erfolgreiche Auffrischung des Bildes vom "hässlichen Deutschen". Schumacher wurde für seine Aktion nicht einmal verwarnt und Deutschland gewann die Partie im Elfmeterschießen. Im Finale gegen die Italiener half der deutschen Elf allerdings weder Härte noch Mauschelei, die Italiener waren einfach besser, besiegten Deutschland problemlos mit 3:1 und wurden zum dritten Mal Weltmeister.

Auch vor der Halbfinalbegegnung am Dienstagabend in Dortmund herrscht alles andere als eitel Sonnenschein zwischen den beiden Fußballnationen. Italien ist maßgeblich für die Suspendierung von Torsten Frings verantwortlich. Italienische Medien hatten der FIFA Videomaterial zukommen lassen, auf dem zu sehen ist, dass der 29-jährige Mittelfeldspieler nach der Viertelfinalpartie am Freitag dem Argentinier Julio Cruz einen Faustschlag versetzt. Die FIFA hat daraufhin Frings mit einer Sperre für das Halbfinale und im Wiederholungsfalle einer weiteren Spielsperre belegt, hinzu kommt eine Geldstrafe. Somit wird Jürgen Klinsmann gegen Italien nicht seine Wunschelf auflaufen lassen können. Frings’ Vereinskollege Tim Borowski und der Dortmunder Sebastian Kehl werden zum Einsatz zu kommen. Der Bremer wird Bastian Schweinsteiger aus der Startelf verdrängen.

Doch auch die Italiener müssen Änderungen in ihrer Startformation vornehmen. Die Stammkräfte Alessandro Nesta und Mauro Camoranesi werden verletzungsbedingt wohl nicht teilnehmen können. Trotzdem sieht sich die deutsche Elf in der Rolle des "Underdogs", wenn auch mit einer gehörigen Portion Ironie, wie Kapitän Michael Ballack demonstrierte: "Wir haben im letzten Jahr in Florenz 1:4 gegen die Italiener verloren, wir haben mit dem FC Bayern in Mailand mit 1:4 verloren, unsere Bilanz bei Weltmeisterschaften gegen sie ist schlecht, sie haben gegen die Ukraine das sehr viel leichtere Viertelfinale gehabt, sie sind seit vielen Monaten ungeschlagen: Eigentlich haben wir keine Chance"

Ein Bonus ist zumindest der Austragungsort Dortmund – dort ist Deutschland seit vierzehn Länderspielen ungeschlagen, selbst das letzte Unentschieden liegt mittlerweile beinahe 20 Jahre zurück. Zusätzlich erhofft sich die deutsche Mannschaft Unterstützung vom "zwölften Mann" – den Zuschauern, die schon beim letzten Spiel in Dortmund, dem Vorrundensieg über Polen, für eine tolle Atmosphäre sorgten. Egal wie die Partie ausgehen wird, sie hat in jedem Fall das Potential der Länderspiel-Saga Deutschland gegen Italien eine neues und möglicherweise  spektakuläres Kapitel hinzuzufügen.


Voraussichtliche Aufstellungen
Deutschland: Lehmann, Friedrich, Metzelder, Mertesacker, Lahm, Schneider, Borowski, Ballack, Kehl, Podolski, Klose
Italien: Buffon, Zambrotta, Materazzi, Cannavaro, Grosso, Perrotta, Pirlo, Gattuso, Totti, Toni, Gilardino
Schiedsrichter: Benito Archundia (Mexiko)