Geld verdienen und Gutes tun - man muss nicht Warren Buffett heißen und Rekordsummen spenden, um beides zu vereinbaren. Zumindest können Anleger entscheiden, in welche Unternehmen sie ihr Geld stecken. Der Versuch, "gute" Firmen durch Kapital zu unterstützen, ist nicht neu: Schon Quäker und Methodisten gaben ihr Geld aus ethischen Motiven nur Unternehmen, die ihr Geschäft nicht mit Rüstung, Tabak, Alkohol oder Glückspiel machten. Solche " sin stocks " waren für sie tabu. Später übten gesellschaftliche Trends wie die Friedensbewegung, die Proteste gegen den Vietnamkrieg und den Hersteller von Napalm, Dow Chemical, so viel Druck aus, dass ethischen und ökologischen Aspekten in Finanzkreisen mehr Platz eingeräumt wurde. Als Folge wurden die ersten ethischen Fonds aufgelegt, beispielsweise der Pax World Fund, der im Jahr 1971 entstand.

Heute kann der Anleger in Deutschland unter mehr als 50 ethischen oder ökologischen Aktienfonds auswählen. Doch wann ist ein Fonds wirklich "nachhaltig", also ethisch oder ökologisch orientiert? Die Antwort darauf gerät fast zur Glaubensfrage, denn einheitliche Standards gibt es nicht. Beispiel BP: Kann ein Erdölkonzern nachhaltig sein? Spontan würden wohl nicht nur überzeugte Umweltschützer diese Frage verneinen - dennoch gehören BP-Aktien zu den beliebtesten nachhaltigen Investments in Europa. Der Grund: BP ist einer der weltweit größte Solarzellenhersteller und gilt somit als relativ umweltfreundlich, zumindest im Vergleich mit anderen Unternehmen seiner Branche.

Viele Fonds orientieren ihre Investmentstrategie an ethischen oder ökologischen Aktienindizes, die mal mehr, mal weniger restriktiv vorgehen. Indizes helfen auch dem privaten Anleger bei der Auswahl der zu ihm passenden Aktien oder Fonds, denn durch sie kann er die Entwicklung nachhaltiger Aktien mit dem Gesamtmarkt vergleichen und einen Einblick in gängige Kriterien und Auswahlverfahren gewinnen. 

Dabei wird im Wesentlichen nach drei Ansätzen vorgegangen: Vertreter des moralisch strengsten Ansatzes sortieren nach Negativkriterien und schließen von vornherein bestimmte Branchen aus, z.B. Alkohol, Tabak und andere. Eine weitere Einstufung erfolgt nach Positivkriterien. Kapital erhalten hier nur Unternehmen, die sich ökologisch und ethisch vorbildlich verhalten - gemessen an absoluten Kriterien. Vertreter des dritten Ansatzes verwenden relative Positivkriterien. Sie schließen keine Branchen aus, sondern bilden innerhalb einzelner Branchen ein Nachhaltigkeits-Ranking und investieren schließlich in jene Unternehmen, die innerhalb ihrer Branche am stärksten nach ökologischen oder ethischen Kriterien wirtschaften.

Der bekannteste Vertreter dieses so genannten Best-in-Class- Ansatzes ist der Dow Jones Sustainability Index, dem die besten zehn Prozent - gemessen an ethischen, ökologischen und sozialen Kriterien - der größten Werte des Dow Jones World Index' angehören. Aus ihm heraus entstanden weitere Indizes, die zusätzlich zur Best-in-Class- Auswahl beispielsweise Unternehmen ausschließen, die mit Alkohol, Tabak und Glücksspiel ihr Geld verdienen.

Nach Angaben der Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft Sustainable Asset Management SAM, welche die Dow Jones Sustainability Indizes zusammen mit Dow Jones entwickelt hat, sollen weltweit mehr als drei Milliarden Euro nach den Kriterien ihrer Indizes angelegt sein. Nicht wirklich nachhaltig, bemängeln Kritiker, denn durch den relativen Best-in-Class- Ansatz seien beispielsweise auch Chemiefirmen im Index enthalten. SAM hält dagegen, durch die Auswahl gebe man vor allem den nicht berücksichtigten Unternehmen Anstöße, ihre Wirtschaftsweise zu verbessern. Wen das Konzept überzeugt, der kann u.a. bei SAM selbst oder bei der West LB, die entsprechende Zertifikate anbietet, nach seinen Kriterien investieren.