Einen Tag nach den schwersten Kämpfen im Gazastreifen seit Beginn der Offensive hat Israel weitere Luftangriffe geflogen. Ein Hubschrauber feuerte eine Rakete in eine Gruppe militanter Palästinenser, berichteten Notärzte. Ein Palästinenser sei getötet worden; vier weitere wurden verletzt.

Am Vortag waren bei den blutigen Auseinandersetzungen mindestens 22 Palästinenser und ein israelischer Soldat getötet worden. Der zur radikal-islamischen Hamas gehörende palästinensische Innenminister Said Siam versetzte seine Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft. Er forderte sie auf, die israelische Invasion abzuwehren.

Die israelische Armee war am Donnerstag mit Panzern und Bodentruppen auch in den Norden des Gazastreifens vorgerückt und drang dabei bis zu den im vergangenen Jahr geräumten israelischen Siedlungen vor. Es war der blutigste Tag seit Beginn der Offensive "Sommerregen" am Mittwoch vergangener Woche.

Der neue UN-Menschenrechtsrat beschloss in Genf die Entsendung einer Delegation in die palästinensischen Gebiete, um dort die Menschenrechtslage einzuschätzen. In einer von dem Gremium verabschiedeten Resolution wird Israel zudem vorgeworfen, die Menschenrechte zu verletzen. Dazu gehöre die Verhaftung von palästinensischen Politikern sowie Militäraktionen gegen Ministerien und auch die Zerstörung von Brücken sowie von Wasser- und Elektrizitätswerken in den palästinensischen Gebieten. Am Donnerstag verhafteten die Israelis einen weiteren Palästinenser-Politiker, den stellvertretenden Parlamentspräsidenten Hassan Chreischeh.

Qatar hat im Weltsicherheitsrat eine Anti-Israel-Resolution beantragt. Als derzeitiges nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrates verfasste das arabische Land einen Resolutionsentwurf, in dem Israel zum unverzüglichen Abzug aus dem Gazastreifen aufgefordert wird. Außerdem solle Israel jede weitere "Aggression" gegen die Palästinenser unterlassen und alle festgenommenen Hamas-Regierungsmitglieder freilassen. Der Entwurf gilt jedoch als chancenlos.

Mit dem Einsatz im Nordabschnitt des Gazastreifens will das Militär den Beschuss israelischer Grenzorte durch palästinensische Kassam-Raketen unterbinden. Seit Dienstagabend waren mehrere solcher Kleinraketen in der Küstenstadt Aschkelon und damit erstmals in einer größeren israelischen Stadt eingeschlagen. Am Donnerstag wurde drei weitere Geschosse auf israelisches Gebiet abgefeuert.