Das Kopfschütteln auf die Frage, ob man zu zweit verreist, ist oft Auftakt einer Odyssee der Erschwernisse. Die doppelte Strafe ist sichtbar in einem mitleidsvollen Augenaufschlag, der unausgesprochen eine Rechtfertigung verlangt, aber auch mit einem Blick in den Katalog erkennbar: Der Einzelzimmerzuschlag, der zwischen 300 bis 500 Euro betragen kann.

Die Hoteliers verdienen mit doppelt belegten Zimmern mehr und wollen mit dem Zuschlag dieses Defizit ausgleichen - diese Erklärung erwartet Dankbarkeit von Alleinreisenden, dass ihnen vom Hotelier überhaupt Asyl gewährt wird. Und diese fügen sich in ihr Schicksal. Der finanzielle Mehraufwand als Kasteiung, das schlechte Gewissen als Buße, weil sie für den geringeren Gewinn der Hoteliers verantwortlich sind. Das Gefühl, Reisender zweiter Klasse zu sein, wird zum ständigen Begleiter.

Denn entweder nächtigen Alleinreisende in einem als Einzelzimmer ausgegebenen Doppelzimmer, in dem dann abends zwei Betten viel Platz für Reflexionen lassen, die nach 14 Tagen garantiert in Einsamkeit, Selbstzweifel und Depression enden. Statt Erholung werden psychische Schäden mit nach Hause gebracht. Lediglich Ärzte und Psychologen sind erfreut über dieses Mitbringsel.

Manchmal gibt es auch Einzelzimmer - klein, fensterlos und leicht mit einer Abstellkammer zu verwechseln. Die körperliche Bestrafung für den fehlenden Partner in Form von zu schmalen Betten ist bei jedem Umdrehen zu spüren.
 
Beim Abendessen verweist der Kellner auf den Katzentisch hinter der Schwingtür zur Küche, eine moderne Form der Quarantäne. Da hilft nur tägliches Überlebenstraining in Form des Ignorierens der mitleidsvollen Blicke der anderen Gäste.

Reiseveranstalter müssen glücklich verheiratet sein. Und wollen anderen das Reisen mit sich selbst erschweren. Finanzielle und psychische Bestrafungen als Anstoß zur Bekehrung, die Selbstständigkeit aufzugeben. Vielleicht ist auch der Neid auf die Selbstbestimmung Auslöser der Benachteiligungen. Damit der Urlaub garantiert vermiest wird oder in einer Partnersuche endet.

Der Verweis auf spezielle Anbieter verstärkt diese Vermutung. In Clubs abgeschoben, ist das Gefühl der Aussätzigkeit nahezu perfekt. Die Angebote bestärken die Annahme, dass diese Form des Unterwegsseins kein natürlicher Zustand sein kann. Eine Art zeitgenössischer Inquisition. Dass Alleinreisende im Urlaub nicht zwingend wünschen, Bekanntschaften zu machen, scheint niemand zu glauben.

Das hat die Emanzipation bestimmt nicht gewollt. Dass der Mut Ungebundener in einem Fegefeuer von Unterdrückungen endet. Die Hoffnung ruht noch auf dem Anti-Diskriminierungsgesetz. Oder vielleicht sollte beim nächsten Urlaub der Tipp der Reiseverkehrsfrau umgesetzt werden: "Wenn Sie wenigstens ein Kind hätten. Da gibt es schon viele Ermäßigungen."