Jeder zweite Deutsche unter 40 Jahren wird im Jahr 2010 einen so genannten Migrationshintergrund haben. 15 Millionen Menschen haben ihn schon heute – so steht es in der vorab zum umstrittenen Integrationsgipfel abgegebenen Erklärung der Bundesregierung mit dem Titel "Gutes Zusammenleben – klare Regeln". Die Welt hat die Erklärung schon gelesen.

Viele Ausländer seien jedoch gut integriert, ist dort zu lesen. Es ist also nicht alles schlecht. Denn 300.000 von ihnen schaffen eine Million Arbeitsplätze. Doch gerade in der zweiten und dritten Generation der hier lebenden Ausländer bestünden laut Erklärung  "deutliche Integrationsdefizite". Die Knackpunkte sind bekannt.

Hauptproblem sind die Deutschkenntnisse, mit denen die Chancen der Ausländer stehen und fallen. Ohne Sprachkenntnisse bleibt ihnen Bildung und damit eine vielversprechende Zukunft in der Arbeitswelt verwehrt. Die Regierung will jetzt – endlich und zu Recht – den Spracherwerb verpflichtend machen. Kinder sollen schon im Kindergarten Deutsch lernen müssen. Man sollte nicht lange darüber streiten, ob durch derartige Pflichten die individuellen Rechte der Menschen einschränkt werden. Die Perspektiven, die sie gewinnen, sind es wert.

Doch dann geht es schon los. Wie soll das geschehen? Eigentlich sollte es reichen, wenn ausländische Kinder gemeinsam mit deutschen Kindern drei Jahre lang den Kindergarten besuchen und (auf Deutsch) angeregt werden. Kleine Kinder lernen nicht nur eine fremde Sprache schnell; sie lernen spielend, wie wir hier miteinander umgehen, dass Mädchen dasselbe tun dürfen wie die Jungen, dass Zahlen und Buchstaben eine neue Welt eröffnen oder dass gemeinsam viel schönere Projekte gelingen als allein. Auch, dass man dazu miteinander reden muss (in einer gemeinsamen Sprache, und die dürfte Deutsch sein).

Doch natürlich ist es so einfach nicht. In bestimmten Stadtteilen ist der Ausländeranteil so hoch, dass türkische Kinder im Kindergarten überwiegend mit anderen türkischen Kindern und mit türkischen Erzieherinnen zusammentreffen. Alle Mängel, die nicht zuletzt die OECD in deutschen Kindergärten festgestellt hat, wirken sich besonders bitter für Migrantenkinder aus, die zu Hause nicht an die deutsche Kultur herangeführt werden. Werden die Kindergärten immer mehr zu Verwahranstalten, weil Ressourcen und Geld fehlen und weil die Erzieherinnen schlecht ausgebildet sind, lernen auch die ausländischen Kinder nichts. Was geschieht mit den Müttern, die ihre Kinder nicht mehr verstehen, weil diese eine Sprache sprechen, derer sie nicht mächtig sind?