Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) ist nicht gerade vom Glück verfolgt. Das bewies er bereits durch sein ungeschicktes Taktieren bei der Vorbereitung des Kongo-Einsatzes der deutschen Bundeswehr. Nun hat er durch seinen Vorstoß für eine deutsche  Beteiligung an einer Friedenstruppe für den Nahen Osten dem Koalitionspartner erneut eine offene Flanke geboten.

"Es ist sehr unglücklich, dass der Verteidigungsminister sich mit einer solchen Äußerung hervorgewagt hat", findet etwa die SPD-Politikerin Monika Griefahn, die auch Mitglied im Auswärtigen Ausschuss ist. Bevor man sich überhaupt über eine Friedenstruppe unterhalte, gehe es darum, möglichst viele Parteien an einen Tisch zu bekommen, vor allem auch die Syrer und die arabischen Staaten.

Ihr Kollege im Auswärtigen Ausschuss formuliert es drastischer: "Bei Jung bin ich mir nie im Klaren, inwieweit er die Konsequenzen aus dem, was er da sagt, auch sieht", sagte der SPD-Abgeordnete und Namensvetter des Verteidigungsministers Johannes Jung am Dienstag ZEIT online . Auch wenn der Verteidigungsminister sich zu diesem Zeitpunkt bereits wieder etwas vorsichtiger äußerte und betonte, zunächst müsse alles für einen Waffenstillstand getan werden: Er habe sich mit dem Satz "wenn wir gefragt werden, können wir uns nicht entziehen" unter einen falschen Zugzwang gesetzt, findet Jung. Es sei der Eindruck entstanden, der Verteidigungsminister tue alles dafür, dass er gefragt werde. Unterstützung finden die Abgeordneten mit ihrer Kritik auch auf der Regierungsbank. "Wir sollten nicht den fünften Schritt vor dem zweiten tun", meint auch Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, Walter Kolbow, nahm Jung dagegen in Schutz. Dieser habe seine emotional begründete Unterstützung für Israel zum Ausdruck bringen wollen und sei dabei wohl etwas über das Ziel hinaus geschossen, sagte er ZEIT online .

Trotz dieser Differenzen herrscht über die Bedingungen für einen Einsatz jedoch  weitgehend Einigkeit. Auch Jung hatte betont, Voraussetzung für ein deutsches Engagement sei, dass die Konfliktparteien dies wünschten, es ein UN-Mandat gebe und ein Waffenstillstand vereinbart worden sei.

Doch während der CDU-Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Andreas Schockenhoff, dem Minister sogleich beisprang und befand, gerade aus historischer Verantwortung müsse Deutschland auch zum Einsatz im Südlibanon bereit sein, ziehen viele in der SPD genau die umgekehrte Schlussfolgerung.

Zwar sei es höchstwahrscheinlich richtig, mit einer internationalen Truppe in den Südlibanon zu gehen, sagte SPD-Politiker Jung ZEIT online . Es sei aber besser, wenn Deutsche nur logistische Aufgaben übernähmen. Er sei keineswegs prinzipiell gegen Auslandseinsätze, aber in eine Situation, in der es mit Gewissheit dazu kommen werde, dass deutsche gegen israelische Soldaten vorgehen müssten, solle man sich nicht freiwillig begeben. Auch Griefahn findet: "Das wäre schon eine sehr schwierige Sache." Damit steht die SPD in dieser Frage eher auf Seiten von FDP, Linkspartei und Grünen, die ähnliche Bedenken angemeldet hatten. Die israelische Seite hat sich in dieser Frage noch nicht festgelegt.