Die israelische Armee forderte am Freitag die Zivilbevölkerung im Süden Libanons auf, ihre Dörfer zu verlassen. Gleichzeitig wurden Reservisten mobilisiert. Mehrere tausend Soldaten seien zu "sofortigem Dienst" einberufen, verlautete am Freitag aus Militärkreisen in Tel Aviv. Schon jetzt sind mehrere tausend Soldaten im Südlibanon im Einsatz, berichteten israelische Medien. Dabei kam es am Freitag erneut zu schweren Gefechten mit den Hisbollah-Milizen. Vier israelische Soldaten seien getötet, hieß es von israelischer Seite.

Die Räumungsauforderung an die Zivilbevölkerung sei über lokale Medien und Kommunalvertreter verbreitet worden, sagte eine Armeesprecherin am Freitag in Tel Aviv. Das Gebiet südlich des Flusses Litani solle Richtung Norden geräumt werden. Dabei handelt es sich um einen rund 30 Kilometer breiten Gebietsstreifen.

Der libanesische Verteidigungsminister Elia Murr kündigte an, die libanesische Armee würde im Fall einer israelischen Invasion eingesetzt. Die Armee werde Widerstand leisten, sagte Murr. Ein Vertreter des Roten Kreuzes im Libanon äußerte sich unterdessen besorgt, dass die Menschen wegen blockierter Straßen nicht zügig genug aus dem Kampfgebiet herauskommen könnten.

Israels Verteidigungsminister Amir Perez hatte bereits am Donnerstag gesagt, sein Land habe nicht die Absicht, den Libanon wieder zu besetzen. Israel werde aber nicht zögern, bei seinen Einsätzen zu zeigen, dass es jeden Ort erreichen könne. Die Regierung sei fest entschlossen, "diesen Kampf entscheidend zu gewinnen". Der Chef des nördlichen Militärkommandos, Generalmajor Udi Adam, sagte der Jerusalem Post , die Armee werde "noch einige Wochen" benötigen, um die Ziele der Militäroffensive erreichen zu können. Israel will mit der Offensive den Raketenbeschuss durch die Hisbollah unterbinden.

Die Hisbollah feuerte am Freitag erneut Raketen auf Haifa und Städte in Nord-Israel ab. Dabei gab es mindestens zehn Verletzte. Unterdessen bombardierte die israelische Luftwaffe am frühen Freitag mehr als 40 Ziele im Libanon. Nach Augenzeugenberichten erschütterten heftige Explosionen den Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut, der als Hochburg der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz gilt. Im Südlibanon traf eine israelische Rakete einen Beobachtungsposten der UN. Nach UN-Angaben wurde niemand verletzt.

Tausende Ausländer, darunter auch Deutsche, versuchten auch am Freitag, den Libanon zu verlassen. Bis zum Freitagvormittag wurden insgesamt mehr als 4200 Flüchtlinge nach Deutschland gebracht. Allein am Donnerstag und Freitag wurden rund 2300 Deutsche mit Chartermaschinen in die Bundesrepublik geflogen, teilte das Auswärtige Amt am Freitag in Berlin mit. 470 Menschen seien mit Schiffen nach Zypern gebracht worden. Im Lauf des Tages würden rund 780 weitere Flüchtlinge aus Zypern und Jordanien nach Deutschland geflogen. Die Bundeswehr plane zudem weitere Flüge nach Syrien. Seit Beginn der israelischen Offensive vor zehn Tagen sind nach libanesischen Angaben mehr als 330 Libanesen, zumeist Zivilisten, getötet worden. Auf israelischer Seite starben 32 Menschen, darunter 15 Zivilisten.