Deutsche Helfer gesucht! Joschka Fischer soll im Nahen Osten helfen, sagt sein grüner Parteifreund Daniel Cohn-Bendit unter der gleißenden Sonne des französischen midi . Schließlich kenne kaum jemand diesen krisen- und kriegsgeschüttelten Landstrich besser als der Ex-Außenminister, er könne einen Waffenstillstand erzielen. Frank-Walter Steinmeier soll helfen, sagen Genossen im hitzeträgen Berlin. Schließlich sei der doch jetzt deutscher Außenminister. Angela Merkel soll helfen, sagen Grüne und Linke in der schwülschweren Luft unter der Reichstagsglocke. Schließlich habe die Kanzlerin doch einen ganz direkten Draht nach Washington, zu George W. Bush.

Glücklicherweise haben die Gerufenen bislang einen kühlen Kopf bewahrt und dankend abgelehnt. Was sollen Deutsche auch zu diesem Zeitpunkt vermitteln, da noch aus allen Rohren geschossen wird, da die Amerikaner den Israelis eine Woche lang freie Hand lassen? Und wenn einer dort sich einschalten, auf höchster Ebene Verbindungen herstellen und moderieren soll – warum dann ein Deutscher? Weil sie sich Israel verpflichtet fühlen und auch mit Arabern und Persern gut können? Das ist in der Tat ein Vorteil. Aber etwas Entscheidendes fehlt: die Macht, das Verhandelte garantieren zu können. Wenn der deutsche Emissär abreist und den Kriegsparteien den Rücken kehrt, können die ihm getrost sofort eine lange Nase machen, ohne dass dies irgendeine schlimme Folge hätte. Das Gewicht und die Macht, für das Verhandelte einzustehen und es durchzusetzen, hat derzeit nur einer: Amerika. Die Deutschen können und sollten dabei Wege ebnen, Beifall klatschen und kleine Geldgeschenke für Wiederaufbau & Co. parat halten – doch diplomatisch intervenieren müssen zunächst die USA. Das mag man aus deutscher Sicht bedauern, aber so sind die Muskelkräfte in der Welt nun einmal verteilt.

Deutsche Helfer gesucht!, rufen derzeit allerdings nicht nur Deutsche, sondern sogar Israelis im Jerusalemer Außenministerium. Allerdings steckt dahinter ein ganz anderer Wunsch – und der macht Sinn. Deutsche Gesandte sollen helfen, auf dem Verhandlungsweg der Hisbollah die beiden israelischen Geiseln abzutrotzen. Darin haben die Deutschen Erfahrung. Vor allem der jetzige Chef des Bundesnachrichtendienstes Ernst Uhrlau. Als er noch Sicherheitskoordinator im rot-grünen Kanzleramt war, pendelte er monatelang zwischen Israel und dem Libanon hin und her und verbuchte am Ende einen großen Erfolg: Die Hisbollah grub drei tote israelische Soldaten aus, bettete sie in Särge und schickte diese via Frankfurt in die Heimat zurück. Israel ließ im Gegenzug rund 400 Gefangene frei. Hier, im Verborgenen, auf den mittleren, humanitären Ebenen, gelang den Deutschen, woran französische Geheimdienstler zuvor gescheitert waren. Von großem Nutzen waren dabei die guten Kontakte zu allen Seiten – vor allem zum Paten der Hisbollah, dem Iran.

Deutsche Helfer gesucht! – Ja, aber am richtigen Ort zur richtigen Zeit – und mit dem richtigen Gepäck. Nur nicht überheben!

Krieg im Libanon:
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