Die von der radikalislamischen Hisbollah-Miliz verschleppten israelischen Soldaten sind nach Angaben des libanesischen Außenministers Fausi Salluch am Leben. Die Entführung der zwei Israelis durch die Hisbollah hatte vor zwölf Tagen die jüngsten kriegerischen Auseinandersetzungen im Libanon ausgelöst."Sie sind bei guter Gesundheit und an einem sicheren Ort", erklärte Salluch am Sonntag vor Journalisten in Beirut. Er rief die Vereinten Nationen und freundlich gesonnene Drittländer dazu auf, sich für eine friedliche Lösung einzusetzen.

Nach einem Treffen mit einem Mitarbeiter des Berliner Auswärtigen Amtes sagte Salluch: "Deutschland hat in der Vergangenheit eine wichtige und herausragende Rolle zwischen dem Libanon und Israel gespielt und kann die selbe Rolle jetzt spielen." Er betonte aber, das sich sein Gespräch mit dem deutschen Diplomaten nicht um die beiden israelischen Soldaten gedreht habe. "Lass' die Waffen schweigen und dann wird es einen Gefangenaustausch geben", sagte der libanesische Außenminister.

Die radikalislamische Hisbollah-Organisation hat indirekten Verhandlungen mit Israel über einen Gefangenenaustausch bereits zugestimmt. Dies erklärte der libanesische Parlamentspräsident Nabih Berri am Sonntag in Beirut. Die pro-iranische, schiitische Hisbollah sei dazu bereit, unter Einschaltung von Vermittlern über die Freilassung zweier israelischer Soldaten, die sie vor zwölf Tagen in ihre Gewalt gebracht hatte, zu verhandeln, sagte Berri.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier traf sich am Sonntag derweil mit dem israelischen Verteidigungsminister Amir Perez. Perez sprach sich anschließend für die vorübergehende Aufstellung einer internationalen Truppe im Süden des Libanon aus. "Israel unterstützt eine starke internationale Truppe mit einem robusten Mandat in Südlibanon für einen begrenzten Zeitraum, bis die libanesische Armee in Position gehen und auf effektive Weise aktiv werden kann", sagte Perez nach Angaben seines Büros. Eine solche Truppe müsse auch gegen Waffenlieferungen aus Syrien an die radikal-islamische Hisbollah-Miliz vorgehen, betonte Perez.

Während eines israelischen Luftangriffs ist unterdessen erstmals eine Journalistin getötet worden. Die Fotografin Layal Nagib war in der Nähe der südlichen Hafenstadt Tyrus unterwegs, als eine israelische Luft-Boden-Rakete ihren Wagen traf, bestätigte die libanesische Polizei. Nagib war selbstständig und arbeitete für eine libanesische Zeitung.

Zu einer großangelegten Bodenoffensive ist trotz der Mobilmachung Israels bisher nicht gekommen. Die blutigen Kämpfe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz gingen am Wochenende jedoch unvermindert weiter: Am Samstag brachten israelische Soldaten das libanesische Grenzdorf Marun al Ras unter ihre Kontrolle; Zwölf Panzer vertrieben die Kämpfer der Hisbollah aus dem Ort. "Wir kontrollieren den größten Teil der Ortschaft", sagte ein Militärsprecher am Abend in Tel Aviv. Am Rande von Marun al Ras gebe es aber noch Schießereien. Die israelische Luftwaffe setzte unterdessen den Beschuss von Beirut fort und und flog zudem Angriffe auf die südlich von Beirut gelegene Hafenstadt Sidon.