Vertrautes bekommt man auf fremden Himmelskörpern ja eher selten zu sehen. Umso größer deshalb die Begeisterung, als Raumsonde Huygens im Januar 2005 erste Bilder vom größten Saturnmond Titan zur Erde funkte. Das sah doch fast aus wie zu Hause! Da lagen Steine auf dem Boden herum, wolkenartige Gebilde türmten sich in den Himmel und die Oberfläche des Bodens wirkte irgendwie matschig. Als hätte es gerade geregnet.

Regen im irdischen Sinne kann es auf Titan natürlich nicht geben, denn flüssiges Wasser hat bei der dort herrschenden Oberflächentemperatur von minus 179 Grad Celsius keine Chance. Aber es muss ja nicht unbedingt wässriger Niederschlag sein. Wie zwei Studien in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature jetzt zeigen, kann auch flüssiges Methan der Motor für jede Menge Regen, und sogar wilde Stürme sein.

Methan ist ein kleines, einfaches Molekül, der einfachste Kohlenwasserstoff überhaupt. Es besteht aus einem Kohlenstoff- und vier Wasserstoffatomen. Auf der Erde findet man Methan fast ausschließlich als Gas. Fest kommt es hier nur am Boden der Tiefsee vor, wo der extrem hohe Druck die Gasbläschen in Eiskäfige einschließt. Solche Methanhydrate zerfallen an der Erdoberfläche sofort wieder zu Gas und Wasser.

Anders der Titan: Die niedrige Temperatur lässt das Methan auch zu Flüssigkeit kondensieren. Wie ein Team von Nasa-Mitarbeitern und europäischen Forschern jetzt aus den auf Titan gemessenen Daten berechnet hat, muss es auf Titan deshalb ohne Unterlass nieseln, der Boden bleibt - wie von Huygens beobachtet - ständig durchfeuchtet. Doch Nieselregen ist nicht das einzige Wetterphänomen auf Titan.

Woher sollten denn auch die flussbettartigen Schluchten auf der Oberfläche kommen? Spanische Forscher haben ausgerechnet, dass die Bedingungen in manchen Gebieten des Titan doch deutlich kräftigeren Methanregen verursachen. Relative Luftfeuchtigkeiten von 80 Prozent können die Mondatmosphäre in Bewegung setzen und heftige Stürme mit vertikalen Windgeschwindigkeiten von 20 Metern pro Sekunde verursachen. Richtung Boden verwandelt sich das Methan dann in einen Sturzbach, der seine Spuren dann sichtbar auf der Mondoberfläche hinterlässt.

Um das Klima des Titan wirklich zu verstehen und modellieren zu können, dazu fehlt es allerdings noch an Informationen. So weiß eigentlich niemand, woher das Methan kommt - Ozeane aus Kohlenwasserstoffen, wie einst vermutet, gibt es auf dem Saturnmond nicht. Den nächsten tieferen Einblick in die Erdverwandte Atmosphäre des Trabanten bekommen wir frühestens in vier Jahren: Wenn die Nasa-Sonde Cassini wieder am Titan vorüberfliegt und Ausschau halten kann. Nach Stürmen. Und Regen.