Feste Wanderstiefel,  grobe Wollsocken, grüne Knickerbocker, weißes Rüschenhemd, grauer Bart und ein Hut mit Feder. Er schaut ernst, spielt ein Lauteninstrument und singt auf Mittelhochdeutsch. Ja, so stellt man sich einen Barden vor. Ein Mann, ein Instrument und engagierte Lieder.

Aber wie sehen eigentlich moderne Barden aus, was spielen sie für Musik? Beim Bardentreffen in Nürnberg kann man das historische Klischee mit der heutigen Wirklichkeit abgleichen. Seit 30 Jahren treffen sich hier Liedersänger aus aller Welt, um kostenlos unter freiem Himmel aufzutreten, immer am ersten Wochenende der bayrischen Sommerferien.

In den siebziger und achtziger Jahren – den Zeiten der Friedens- und Umweltbewegung – übten sie mit deutschen Texten Gesellschaftskritik. Heute singen die Barden Pop. So wie Helmut Haberkamm und Johann Müller , die in diesem Jahr auf einer Bühne im Schatten der Nürnberger Sebalduskirche spielen. Haberkamm hat zahlreiche Gedichte in fränkischer Mundart veröffentlicht und trägt Lieder von Bruce Springsteen, Bob Dylan und Joni Mitchell im süddeutschen Dialekt vor. Das klingt vertraut und fremd zugleich. Lauscht man allein dem Text, ist der Originalsong kaum wiederzuerkennen.

Die meisten Sänger auf den großen Bühnen des Bardentreffens singen gleich auf Englisch, dann versteht man sie. Sie treten nicht mehr allein auf, sondern bringen ihre Band mit. Stimmung wollen sie machen, die Grenze zum gängigen Rock- oder Popkonzert ist fließend.

Der Name "Bardentreffen" führte in der Geschichte des Festivals schon zu Missverständnissen. So dachte Wolf Biermann 1986, er sei als Dozent zu einem Liedermacher-Seminar eingeladen. Er wunderte sich über die 5000 wartenden Zuschauer, dann sang er dreieinhalb Stunden lang.

2006 präsentiert die 20-jährige Nürnbergerin Trinah in der Ruine der Katharinenkirche ihre englischsprachigen, melancholischen Balladen über Liebe und Schmerz. Und Chumbawamba sorgen für Massenaufläufe. Die englische Band hatte sich 1984 gegründet, um gegen die Politik Margaret Thatchers zu protestieren. Chumbawamba halten auch nach über 20 Jahren die Tradition des politisch engagierten Liedes hoch, und das Publikum ist begeistert.

Es herrscht großes Gedränge, 200.000 Besucher sind gekommen. Wem die Hitze zu viel wird, der schlendert ein wenig durch die Nürnberger Innenstadt und hört an jeder Ecke mehr. Unzählige Musiker nutzen die Freiheit des Bardentreffens, um zu zeigen, was sie können oder noch nicht können, darunter auch echte Veteranen der Straßenmusik. Bob Dylan ist Vorbild für viele hier: Eine Ein-Mann-Kapelle singt eher engagiert als schön Knocking on Heaven's Door , spielt dazu Gitarre und bedient mit dem nackten Fuß die Trommel. Ab und zu pausiert der Gesang, dann tönt die Dylan'sche Mundharmonika.