Die israelische Luftwaffe hat am Sonntag beim folgenschwersten Angriff seit dem Beginn des Libanon-Krieges mindestens 56 Menschen getötet. Bemühungen von US-Außenministerin Condoleezza Rice um eine Beruhigung der Lage erlitten damit einen Rückschlag. Der libanesische Regierungschef Fuad Siniora sprach nach dem Angriff auf das Dorf Kana im Süden des Landes von einem "Kriegsverbrechen" und sagte einen Treffen mit Rice in Beirut ab. Die israelische Regierung bedauerte die zivilen Opfer, bekräftigte aber die Fortsetzung der Militärschläge. Eine wütende Menge stürmte in Beirut des Gebäude der UN-Vertretung und verwüstete die Räume.Die Hälfte der 56 Todesopfer in dem südlibanesischen Dorf Kana seien Kinder, teilten Krankenhausärzte in der nahen Hafenstadt Tyrus mit. Nach Angaben von Helfern hatten sich mehr als 60 Menschen, überwiegend Flüchtlinge, im Keller eines Gebäudes in Kana aufgehalten, als dieses von einem israelischen Geschoss getroffen wurde und einstürzte. Das israelische Militär begründete den Angriff auf das Dorf mit Raketen-Angriffen der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz, die vom Gebiet des Dorfes ausgegangen seien. Israelische Politiker und Armeevertreter erneuerten ihren Aufruf an libanesische Zivilisten zur Flucht aus dem umkämpften südlichen Grenzgebiet.Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert drückte "tiefes Bedauern" aus. Seine Land versuche zivile Opfer zu verhindern. Der Hisbollah warf er vor, Zivilisten als Schutzschilde für ihre Angriffe zu nutzen. "Wir werden den Krieg nicht beenden", wurde Olmert zitiert. "Hisbollah, wie der ganze muslimische Terror, bedroht die westliche Zivilisation."Regierungschef Siniora sagte in Beirut: "Es gibt jetzt keinen Raum mehr für Diskussionen, bis es eine sofortige bedingungslose Waffenruhe gibt". Mit dieser Entscheidung zeige seine Regierung "Respekt vor den Seelen der unschuldigen Märtyrer und der Kinder, die unter den Trümmern begraben wurden". Die radikal-islamische Hisbollah kündigte "eine harte Vergeltung" für den Angriff in Kana an.Rice forderte von Israel mehr Umsicht auf zur Vermeidung ziviler Opfer. Sie werde ihre Vermittlung für eine tragfähige Waffenruhe fortsetzen, sagte sie in Jerusalem. "Wir wollen eine Waffenruhe so schnell wie möglich (....), aber die Konfliktparteien müssen sich auf eine Waffenruhe einigen." Es gebe bei ihren Gesprächen in Israel - die sie bis Montag fortsetzen wollte - Fortschritte auf dem Weg zu einer politischen Lösung des Konfliktes.Hunderte wütende Demonstranten stürmten den Sitz der UN-Mission in Beirut. Die gegen das Blutbad protestierende Menge zerstörte Fensterscheiben und Aufzüge und rief "Allah u akbar!" (Gott ist groß) und - unter Anspielung auf den Chef der radikal-islamischen Hisbollah-Organisation, Hassan Nasrallah, "Gott segne unseren Führer Nasrallah!".Unterdessen weitete die israelische Armee ihre Einsätze von Bodentruppen im Libanon Richtung Norden aus. Um den libanesischen Grenzort Taibe gebe es Gefechte zwischen Soldaten und Hisbollah- Milizen, teilte eine Armeesprecherin in Tel Aviv mit. Dabei seien zwei israelische Soldaten verletzt und drei Hisbollah-Kämpfer "getroffen" worden. Die Hisbollah erklärte in Beirut, sie habe mehrere israelische Soldaten getötet. "Das ist falsch", sagte dazu ein israelischer Armeesprecher.Seit Beginn des Libanon-Konflikts vor 18 Tagen sind nach libanesischen Angaben mehr als 500 Menschen getötet und über 1200 verletzt worden worden. In Israel wurden nach Angaben der Armee 51 Menschen getötet.

Mehr Meldungen und Analysen zum Nahost-Krieg hier