Mindestens 35 Menschen - davon der größte Teil Flüchtlinge - sind am Sonntagmorgen bei einem israelischen Luftangriff auf ein südlibanesisches Dorf ums Leben gekommen. Dies berichtete die libanesische Polizei und Augenzeugen. Bombardiert wurde ein Gebäude in dem Dorf Kana östlich der Hafenstadt Tyros. Bei den Opfern soll es sich vor allem um Flüchtlinge handeln, die aus der Kampfzone im südlibanesischen Grenzgebiet weiter nach Norden geflüchtet waren.

Die israelische Luftwaffe bombardierte nach eigenen Angaben am frühen Sonntagmorgen, dem 19. Tag des Libanon-Konflikts, 40 Ziele. Die Angriffe hätten Einrichtungen der radikalislamischen Hisbollah- Miliz sowie Straßenverbindungen gegolten, hieß es. Die Hisbollah feuerte ihrerseits 10 Raketen auf Gebiete im Norden Israels. Gleichzeitig schickte die israelische Armee in der Nacht weitere Bodentruppen und Panzer in das südlibanesische Grenzgebiet. Die Hisbollah meldete heftige Kämpfe um das Grenzdorf Taibe.

Am Samstagabend haben israelische Kampfflugzeuge nahe der libanesischen Grenze einen Angriff auf die Hauptverbindungsstraße zwischen Beirut und der syrischen Hauptstadt Damaskus geflogen. Wie es in libanesischen Sicherheitskreisen hieß, wurden mindestens drei Raketen abgeschossen. Die Straßenverbindung, die viele Libanesen zur Flucht ins Nachbarland nutzten, sei unterbrochen.

Zuvor hatte Israel die Forderung des UN- Nothilfekoordinators Jan Egeland nach einer dreitägigen "humanitären Waffenpause" im Libanon-Konflikt zurückgewiesen. Für die Versorgung der Zivilisten seien bereits Korridore eingerichtet worden, sagte der israelische Regierungssprecher Gideon Meir am Samstag. "Humanitäre Hilfe erreicht die Menschen bereits über die Vereinten Nationen", erklärte er. Die Hisbollah-Miliz werde aber eine Kampfpause nutzen, um ihre Vorräte an Waffen und Munition zu erneuern. Unterdessen gab es neue Raketenangriffe und Gefechte um die südlibanesische Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil.

Gleichwohl begann die Armee am Samstag einen Rückzug aus Bint Dschbeil. Der Einsatz sei jedoch nicht beendet, betonte ein Militärvertreter in Tel Aviv. Bei den Kämpfen hatte die israelische Armee die bisher höchsten Verluste erlitten. Israelische Regierungspolitiker hatten danach gefordert, die Luftwaffe solle Hisbollah-Dörfer zunächst sturmreif schießen, bevor Bodentruppen zum Einsatz kommen.

Am Abend traf die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice im Nahen Osten ein. Rice werde mit Vertretern in Israel und dem Libanon beraten, wie ein nachhaltiger Frieden erreicht werden könne, hatte US-Präsident George W. Bush erklärt.