Floyd Landis hatte noch am Donnerstagabend zu seiner positiven Dopingprobe Stellung bezogen: Der Amerikaner bestreitet demnach, "wissentlich" gedopt zu haben. Offenbar glaubt Landis auch, dies beweisen zu können: »Ich denke, dass es eine gute Chance gibt, dass ich meinen Namen rein waschen kann«, sagte Landis in einer telefonischen Schaltkonferenz. »Alles, worum ich bitte, ist, mir eine Chance zu geben, meine Unschuld zu beweisen. Ich möchte als unschuldig gelten, bis die Schuld bewiesen ist - so machen wir das in Amerika«, sagte der 30-Jährige, der sich nach eigenen Angaben an einem nicht näher genannten Ort in Europa aufhält. Vom Sieger zum Verlierer: Floyd Landis BILD

Landis war nach seinem Überraschungserfolg auf der 17. Etappe positiv auf Testosteron getestet worden - just einen Tag, nachdem er wegen eines Leistungseinbruchs von der Spitze des Gesamtclassements zurückzufallen drohte. Das Schweizer Phonak-Team, für das Landis die Tour fuhr, gab das Testergebnis am Donnerstag bekannt und suspendierte den Toursieger. Fahrer und Rennstall haben eine B-Probe beantragt, um das positive Testergebnis zu prüfen. Landis sagte, er könne über die Ursache des Befunds nur spekulieren. Er fürchtet, dass die Affäre ihn für immer verfolgen wird, auch wenn er am Ende vom Vorwurf des Dopings entlastet werden sollte.

Der Befund hatte bereits am Donnerstag Entsetzen und Zorn ausgelöst. »Wenn die B- Probe das Ergebnis bestätigt, dominieren Wut und Trauer bei allen, die von der Tour de France 2006 begeistert waren«, hieß es in einer Stellungnahme der Organisatoren. Drastischer reagierte Teamchef Hans- Michael Holczer vom Gerolsteiner-Rennstall: »Das ist einfach nur Ekel erregend.« Auch Landis' Mutter Arlene meldete sich zu Wort: »Wenn er Medikamente wegen seiner Hüfte genommen hat, trifft ihn keine Schuld. Wenn es etwas Schlimmeres war, hat er den Sieg nicht verdient.«

Von einem schweren Schlag für den Radsport sprach T-Mobile- Sprecher Christian Frommert: »Jetzt ist der Reflex ausgelöst, dass man sagen könnte: Die nehmen doch alle etwas. Aber ich weigere mich, daran zu glauben.« T-Mobile-Profi Andreas Klöden hatte die Tour am Sonntag in Paris als Dritter hinter Landis und dem Spanier Oscar Pereiro beendet, der nun möglicherweise nachträglich zum Sieger erklärt wird. Das ZDF denkt nach dem Doping-Fall Landis darüber nach, aus der Tour-Berichterstattung auszusteigen. »Wir haben einen Fernsehvertrag über eine Sportveranstaltung und nicht über eine Pharma-Leistungsschau abgeschlossen«, sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender in einer Pressemitteilung des Mainzer Senders.

»Die Enttarnung von Landis offenbart noch einmal eine dumme, dreiste und betrügerische Energie, die im Radsport und gesamten Sport konsequent bekämpft werden muss und wird», sagte Rudolf Scharping, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). »Der Toursieg ist ebenso abzuerkennen, wie es den Veranstaltern hoffentlich gelingt, alle gezahlten Preisgelder dem legitimen Ersten, Oscar Pereiro, und dem legitimen Zweiten, Andreas Klöden, zu honorieren«, fügte er hinzu. Holczer regte an: »Vielleicht sollten wir den gesamten Profi-Radsport sechs Wochen stoppen und nach dem nächsten Dopingfall wieder sechs Wochen. Es ist völlig unverständlich, warum solche Leute den Profiradsport jetzt völlig kaputt machen.«

Der größte Skandal bei der Tour de France seit der Affäre um das Festina-Team 1998 war ruchbar geworden, nachdem Landis am Dienstag ein Kriterium in den Niederlanden gewonnen hatte, Starts bei Rennen am Mittwoch und Donnerstag jedoch kurzfristig absagte. Die Schweizer Phonak-Mannschaft war in den vergangenen Jahren mehrfach wegen Dopingsündern in ihren Reihen aufgefallen. Betroffen waren der Schweizer Ex-Weltmeister Oscar Camenzind, der frühere Zeitfahr- Weltmeister Santiago Botero aus Kolumbien, Zeitfahr-Olympiasieger Tyler Hamilton aus den USA und der diesjährige Giro-Zweite Jose Gutierrez aus Spanien.