Kaum eine Prognose ist weniger gewagt als die, dass der Preis für Energie langfristig steigt. Der Ölpreis strebt neuen Höhen zu - aktuell kostet ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent 76,85 Dollar. Der Preis für eine Kilowattstunde Spitzenlast-Strom übertraf vergangene Woche sogar kurz die Einspeisepreise für Solarstrom. Und das ist erst ein Vorgeschmack darauf, was kommt, wenn die jährliche Fördermenge von Erdöl aus technischen Gründen einmal abnehmen wird. Experten warnen, dass der Zeitpunkt nicht mehr weit weg ist.

Industrie und Verbrauchern tut das zwar weh. Doch in einer Branche, jener der regenerativen Energien, herrscht derzeit Goldgräberstimmung. Hohe Renditen locken Anlegergelder an wie zuletzt Ende der 90er Jahre in die New Economy. Wie damals gibt es auch dieses Mal zur Vorsicht guten Grund. Denn die Branche der regenerativen Energien hängt weit mehr als andere Branchen von drei ganz großen Unbekannten ab: Erstens von der Preisentwicklung bei Öl und konventionellem Strom, zweitens vom technischen Fortschritt, der ihre Kosten senkt, und drittens von politischen Entscheidungen über Einspeisevergütungen, Steuerermäßigungen oder Beimischungsquoten.

Wer sein Geld in regenerative Energien stecken möchte, hat die Wahl zwischen Aktien, Anleihen, Fonds und Zertifikaten - und zwischen verschiedenen Arten der alternativen Energie, wie Solar- und Windkraft oder Biokraftstoffe. Besonders angesagt sind derzeit Sonnenenergie und regenerative Kraftstoffe. Die Sonnenenergie kann auf vielfältigste Weise genutzt werden, und ähnlich vielfältig sind auch die Möglichkeiten, daran finanziell teilzuhaben.

Vor allem Hersteller von Photovoltaikanlagen haben in den vergangenen Jahren vom Boom bei den regenerativen Energien profitiert. Mit Photovoltaik lässt sich Strom direkt aus Sonnenlicht erzeugen - eine Technik, die ihren Machern seit Jahren zweistellig wachsende Umsätze beschert. Auch die Aktienkurse von Firmen wie Solarworld, Conergy, Q-Cells oder Ersol haben hohe Zuwächse verzeichnet.

Der Einbruch seit Anfang Mai ist jedoch ein Warnsignal: Auch Solaraktien sind anfällig für die üblichen Finanzmarktgifte wie Zins- und Inflationsängste. Zudem knabbert die Branche derzeit an Problemen wie dem Lieferengpass bei gereinigtem Silizium, ihrem Grundstoff. Dennoch: Auf lange Sicht trauen Experten der Photovoltaik ein hohes Wachstum und weitere Kostensenkungen zu.

Weil aber selbst im Boom nicht alle Unternehmen gewinnen, ist nicht jede Aktie ein guter Anlagetipp. Wer sein Risiko streuen möchte, ist mit einem Aktienfonds gut beraten, der die gesammelten Gelder in eine Vielzahl von Einzelwerten investiert. Ein Beispiel ist der 2001 aufgelegte Merrill Lynch New Energy Fund, der  vor allem US-Werte enthält. Auf Sicht von zwei Jahren hat er ein Plus von 79 Prozent erreicht, die letzten drei Monate zeigten allerdings ein Minus von 15 Prozent.