In dem schwedischen Atomkraftwerk hatten vor zwei Wochen nach einem Kurzschluss außerhalb der Anlage zwei der vier Notstromaggregate versagt. Für etwa 20 Minuten war deshalb die Steuerwarte des Reaktors ohne Strom, Kritiker sprechen von einer Beinahe-Katastrophe und einem der schwersten Zwischenfälle seit Tschernobyl und Harrisburg. Drei weitere schwedische Reaktoren mit der gleichen Notstromversorgung wurden inzwischen ebenfalls abgeschaltet.
In einem der beiden Blöcke im schwedischen Forsmark ereignete sich Ende Juli der Störfall

Sigmar Gabriel betonte am Montag, bisher habe sich der Verdacht nicht erhärtet, dass sich ein Ereignis wie in Forsmark auch in Deutschland ereignen könnte. Dennoch forderte er weitere Sicherheitsnachweise für die 17 deutschen AKWs. Auch vorläufige Abschaltungen werde er notfalls durchsetzen, kündigte der SPD-Politiker an. Erst nach einem "lückenlosen Sicherheitsnachweis" werde sein Ministerium die Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke bei einem solchen Störfall bestätigen.

Der Abteilungsleiter für Reaktorsicherheit im Ministerium, Wolfgang Renneberg, betonte, bei der Aussage, dass ein solcher Störfall in Deutschland unmöglich sei, handele sich bislang nur um "vorläufige Einschätzungen" der Gesellschaft für Reaktorsicherheit. Es seien noch nicht alle Fragen geklärt.

Der Umweltminister forderte eine "gründliche und detaillierte Prüfung der Anlagen vor Ort". Der Vorfall in Schweden sei so gravierend gewesen, dass er sich nicht nur auf die "Beurteilungen und Versicherungen der Betreiber" verlassen könne. Die Länder sollen bis Dienstag 12 Uhr Berichte mit Antworten auf einen Fragenkatalog zur Sicherheit der deutschen AKWs vorlegen. Gabriel betonte: "Falls Nachweislücken vorliegen, die so gravierend sind, dass die Sicherheit des Anlagenbetriebs infrage steht, dann ist der Betrieb der Anlage bis zur Klärung der Sicherheitsfragen vorläufig zu untersagen."

Der Minister hat sich an seine schwedische Amtskollegin gewandt mit der Bitte, dass Deutschland schnellstmöglich über die Ermittlungen zu Forsmark auf dem Laufenden gehalten wird. Der jüngste Bericht sei am Wochenende übersetzt und an die Bundesländer übermittelt worden.

Das Gravierende an dem Vorfall in Schweden war laut Renneberg, dass er bisher nicht vorgekommen sei. Der Störfall sei "überraschend aus dem Nichts" gekommen. Ein einfacher Kurzschluss außerhalb des Netzes habe dazu geführt, dass mehrere Systeme versagt hätten. Noch unklar sei, wie nahe der Störfall am GAU gelegen habe. Zwar hätten zwei von vier Notstrom-Dieselaggregaten in Forsmark versagt, unklar sei aber, ob es daneben noch weitere Sicherheitsreserven gegeben hätte. Klar sei aber, dass bei einer Kernschmelze in Schweden auch Deutschland bei entsprechender Windrichtung betroffen gewesen wäre, sagte Renneberg.