Angela Merkel hatte die Partei bei der Auftaktveranstaltung mit folgenden Worten gemahnt: "Ich stelle mir vor, dass eine Diskussion über unser Grundsatzprogramm nicht mit einem Sammelsurium dessen endet, was man alles tun müsste. Wir müssen uns vielmehr miteinander auch darüber verständigen, was am wichtigsten ist. Wir verschwenden heute für vergleichsweise nachgeordnete Dinge relativ viel Zeit, manchmal vielleicht auch deshalb, weil wir Angst davor haben, welche großen und noch nicht durchdachten Fragen wir durchdenken müssen."
Nun wirkt die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende selbst wie eine Politikerin, die keine Antworten auf die großen Fragen weiß.

Dabei vergisst man leicht, dass sie und Pofalla tatsächlich gewillt sind, die Partei an ihren empfindlichsten Stellen zu öffnen, etwa dem Familienbild. Die Frage nach homosexuellen Lebensgemeinschaften etwa taucht als offene Leitfrage (Wie gehen wir mit ihnen um?) auf, und die "Lesbisch-Schwule Union" wurde vom Generalsekretär ausdrücklich dazu eingeladen sich zu beteiligen ein Verband, der von der Bundespartei offiziell noch nicht anerkannt ist. "Da ist auf jedem Fall Bewegung drin", sagt ihr Vorstandsmitglied Roland Heintze. In ihren Reihen werden sogar Beiträge wie die von Rüttgers begrüßt als Zeichen einer offenen Debattenkultur.