Das Schweizer Phonak-Team hat mit voller Härte auf die positive B-Probe des Siegers der Tour Floyd Landis reagiert. Der Amerikaner wurde am Samstagmittag fristlos entlassen. Der eidgenössische Rennstall zog wegen der »Verletzung des internen Ethik-Codex'« die Konsequenzen aus dem kurz zuvor vom Radsport-Weltverband UCI veröffentlichten Ergebnis der von Landis geforderten Gegenanalyse. Bei dem 30 Jahre alten amerikanischen Radprofi war nach der 17. Etappe der Tour in der A-Probe ein deutlich überhöhter Wert des künstlich produzierten Testosteron gefunden worden. Statt des erlaubten Testosteron-Verhältnisses von maximal 4:1 zu Epitestosteron wurde ein Wert von 11:1 ermittelt. Nicht mehr in Gelb: Floyd Landis BILD

Der Radsport-Weltverband gab den Fall nach der Bestätigung durch die B-Probe an den US-Verband weiter, der nun ein Verfahren gegen Landis einleiten wird. Ihm droht eine zweijährige Sperre und die Aberkennung des Tour-Sieges. Hinzu käme für Landis noch ein Arbeitsverbot für zwei weitere Jahre in allen Pro-Tour-Teams. Der Direktor Christian Prudhomme sagte der spanischen Nachrichten-Agentur EFE: »Für uns ist Floyd Landis nicht mehr der Gewinner der Tour de France 2006.« Der Spanier Oscar Pereiro, der voraussichtlich zum Tour-Sieger vor Andreas Klöden erklärt wird, will sich am Samstagabend zum Fall Landis äußern.

Der Amerikaner will noch nicht aufgeben. Schon vor Bekanntgabe des Ergebnisses der B-Probe teilte er auf seiner Homepage (FloydLandis.com«) mit: »Ich werde kämpfen, um meinen Namen zu säubern. Ich habe bei der Tour de France nicht aufgegeben und werde jetzt auch nicht aufgeben. Ganz gleich, was die B-Probe aussagt.«

In knapp drei Wochen wird das Schiedsgericht der Anti-Doping- Agentur der USA (USASDA) beide Seiten anhören und anschließend eine Entscheidung treffen. Diese könnte Landis allerdings vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) anfechten. »Die Entscheidung heute ist erst der Beginn eines langen Prozesses. Wir rechnen frühestens im Dezember oder Januar mit einer endgültigen Entscheidung«, betonte Landis-Anwalt Jose-Maria Buxeda.

Der Druck auf den Radprofi, der sich in Kürze einer Hüftoperation unterziehen und deshalb ohnehin rund ein Jahr pausieren muss, wird immer größer. Und die Chancen, glimpflich aus der Affäre heraus zu kommen, immer kleiner. »Uns ist klar, dass es nun an uns ist, zu beweisen, warum der Test positiv war. Entweder können wir zeigen, dass ein Fehler in der Analyse des Labors vorlag oder dass andere Begleitumstände den hohen Testosteron-Wert erklären«, sagte Landis- Anwalt Buxeda weiter. Und ergänzte: »Vielleicht lag es an den Schilddrüsen-Tabletten, die er einnahm, vielleicht am Alkohol, den er am Abend vor dem Test trank oder vielleicht lag es an beidem.«

Für Tour-Direktor Prudhomme ist die Nachricht von Landis' positiver B-Probe ein »harter Schlag« für den Radsport. »Man weiß sehr wohl, dass die Gegenanalyse fast immer das erste Ergebnis bestätigt. Man hat das Gefühl eines heillosen Schlamassels, gleichzeitig hat man auch Lust, mit aller Kraft dagegen anzukämpfen«, betonte er und forderte: »Man darf nicht tolerieren, dass das Gelbe Trikot beschmutzt wird.«