Die Bemühungen um eine friedliche Lösung des Libanonkonflikts haben am Samstag einen kleinen Fortschritt erzielt. Die USA und Frankreich einigten sich nach tagelangen Verhandlungen auf eine Libanon-Resolution, die die Kriegsparteien zur "Einstellung aller Feindseligkeiten" auffordern soll. Unterdessen gingen die Kämpfe unvermindert weiter. Bei einer israelischen Kommandoaktion nahe der Hafenstadt Tyrus wurde am Samstag erstmals die libanesische Armee in größere Kämpfe verwickelt.

Bei den schwersten Luftangriffen auf den Süden des Libanons seit Beginn des Krieges vor dreieinhalb Wochen schlugen in Grenzdörfern binnen sieben Stunden 4000 Geschosse ein. Israelische Kampfflugzeuge und Hubschrauber nahmen bei insgesamt etwa 70 Luftangriffen in der Nacht neben Tyrus auch erneut Beirut unter Feuer. Die Hisbollah feuerte wieder mehr als 70 Raketen auf Nordisrael. Dabei wurden drei Menschen getötet.

Wie aus UN-Kreisen verlautete, erklärten sich die Franzosen bereit, nicht länger auf einer "sofortigen" Einstellung der Kämpfe zu bestehen. Der Text der Resolution wurde den 13 anderen Mitgliedern des Sicherheitsrates zugeleitet. In einer zweiten Resolution soll möglichst Ende kommender Woche der "politische Rahmen für einen dauerhaften Waffenstillstand" festgelegt werden. Anschließend soll eine internationale Friedenstruppe die Einhaltung des Waffenstillstandes garantieren.

Angesichts eines Mangels an Trinkwasser und Strom im Libanon warnen Hilfsorganisationen vor einem Ausbruch von Epidemien wie Cholera, vor allem im schwer umkämpften Südlibanon. Auch anderswo bahnt sich eine Katastrophe an, nachdem die libanesische Hauptstadt praktisch von der Außenwelt abgeschnitten ist und auch der Seeweg von israelischen Kriegsschiffen blockiert wird. Durch die Bombardierung der Brücken nördlich von Beirut am Vortag ist die Versorgungsroute für Hilfskonvois über Syrien unterbrochen.

In Tyrus setzten libanesische Soldaten Luftabwehrgeschütze ein, nachdem Kampfhubschrauber mehrere Raketen abgefeuert hatten. Die Helikopterbesatzungen seien im Tiefflug über Tyrus geflogen und hätten aus Maschinengewehren auf Ziele am Boden gefeuert, sagte die Polizei. Ein libanesischer Soldat wurde getötet und eine Luftabwehrbatterie zerstört. Bei der Aktion setzten israelische Hubschrauber zudem Elitesoldaten in einem Orangenhain vor der Stadt ab. Danach kam es zu Kämpfen mit Hisbollah-Milizen. Nach israelischen Armeeangaben wurden acht Soldaten verletzt, mindestens sieben Hisbollah-Kämpfer seien getötet worden. Die Operation sei gegen Hisbollah-Kämpfer gerichtet gewesen, die am Vorabend Raketen auf Hadera abgefeuert hätten. Die mehr als 70 Kilometer entfernt von der Grenze gelegene Stadt war das bisher südlichste Ziel in Israel, das angegriffen wurde.

Wie ein Militärsprecher in Tel Aviv sagte, wurden bei den jüngsten Luftangriffen unterirdische Anlagen der Hisbollah, Waffenlager und Raketenstellungen zerstört. Nach Angaben der libanesischen Polizei bombardierte die Luftwaffe auch wieder die südlichen Vororte Beiruts, die als Hochburgen der Hisbollah gelten. Über der einem Gebiet südlich der Hafenstadt Sidon warf die Luftwaffe Flugblätter ab und forderte die Einwohner der Dörfer zur Flucht auf. Von dort schieße die Hisbollah Raketen auf Israel.