Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist am Dienstagmorgen zu seiner zweiten Nahost-Reise seit Ausbruch des Libanonkriegs aufgebrochen. Er wird den Libanon, Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete besuchen und dort für den Entwurf der Libanon-Resolution des UN-Sicherheitsrates werben. Außerdem will er sich auf Zypern für die Hilfe bei der Ausreise deutscher Flüchtlinge bedanken. Erste Station ist Beirut, wo Steinmeier mit dem libanesischen Regierungschef Fuad Siniora zusammentreffen wird.

In dem Resolutionsentwurf werden unter anderem beide Seiten zur "vollständigen Einstellung der Feindseligkeiten" aufgerufen. Steinmeier sagte vor seinem Abflug, die Resolution biete eine wirkliche Chance "für die dringend notwendige Waffenruhe im Nahen Osten". Dazu müssten Israel und der Libanon mit einer internationalen Stabilisierungsmission im Südlibanon einverstanden sein. Jetzt gehe es darum, in der Region die notwendige Akzeptanz für die Resolution zu erreichen. "Das ist Sinn meiner Reise." Allerdings konnte sich die Staatengemeinschaft in New York bislang nicht auf einen gemeinsamen Entwurf einigen.

Während die Diplomaten verhandeln, setzt Israel seine Angriffe mit unverminderter Stärke fort. Die Luftwaffe griff in der Nacht etwa 80 Ziele an. Darunter seien 42 Gebäude der islamistischen Hisbollah-Miliz gewesen, berichtete ein Armeesprecher. Mehr als 30 Straßen und sechs Raketenwerfer seien ins Visier genommen worden. Der Nachrichtensender CNN berichtete, in Beirut seien mindestens zehn Menschen durch Luftangriffe getötet worden, 65 wurden verletzt. Am Boden gingen die Kämpfe um Bint Dschbeil weiter. Dort wurden drei israelische Soldaten getötet, vier verletzt.

Das israelische Sicherheitskabinett will am Dienstag darüber entscheiden, ob der Bodeneinsatz ausgeweitet wird. Haaretz berichtet, die Regierung diskutiere, ob die Truppen den Fluss Litani überschreiten sollen. Er gilt bislang als nördliche Grenze einer Pufferzone, die Israel im Libanon einrichten will. So soll die Hisbollah daran gehindert werden, Raketen auf israelisches Territorium zu schießen. Die Armee verhängte ein unbefristetes Fahrverbot für die Gebiete südlich des Flusses und eine Ausgangsperre. Den Menschen im Süden des Libanon wurde geraten, ihre Wohnungen nach 22 Uhr nicht mehr zu verlassen. Anderenfalls bestünde Gefahr für Leib und Leben. Die Bewohner seien durch Flugblätter und über Radio darauf hingewiesen worden. Solche Maßnahmen gab es bislang nur in den besetzten palästinensischen Gebieten. Versorgungsfahrten zu humanitären Zwecken würden aber zugelassen, hieß es.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte, die Streitkräfte unterlägen bei ihrem Kampf gegen die Raketen der Hisbollah keinen Beschränkungen. Es sei inakzeptabel, dass so viele Menschen in Schutzräumen leben müssten. "Wir müssen die Raketen stoppen", sagte Olmert. Nach israelischer Darstellung sind seit Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen mit der Hisbollah am 12. Juli insgesamt 97 Israelis ums Leben gekommen - 61 Soldaten und 36 Zivilisten.

Die libanesische Regierung präsentierte derweil einen Plan, nach dem sie nach einem Abzug der Israelis den Süden des Landes kontrollieren will. 15.000 libanesische Soldaten sollen dort stationiert werden. Darauf verständigte sich das libanesische Kabinett am Montagabend in Beirut. Weitere Einzelheiten wurden zunächst aber nicht bekannt. Die Hisbollah unterstützte den Vorschlag der Regierung. Israels UN-Botschafter Dan Gillerman lehnte den Plan jedoch als zu gefährlich ab. Israel werde Südlibanon "erst dann verlassen, wenn eine robuste und brauchbare internationale Truppe dort im Einsatz ist". Es sei zu riskant, ein Vakuum im Grenzgebiet zu hinterlassen, das nur wieder von den Hisbollah-Milizen ausgenutzt würde.

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