Pofalla beruft sich bei seinem Vorstoß, der seit Tagen für ein wenig Wind in der innenpolitischen Sommerflaute sorgt , auf das christliche Familienbild der CDU. Die Familie sei eine Verantwortungsgemeinschaft, hält er seinen Kritikern entgegen, folglich müssten die in ihr vereinten Generationen für einander einstehen. Und ein wenig schräg fügt er hinzu: "Die Verantwortung der Kinder für die Eltern endet nicht mit dem Erreichen des Führerscheinalters." Natürlich müsse die individuelle Belastbarkeit berücksichtigt werden, aber das sei über entsprechende Freibeträge zu regeln.

Seine Erläuterungen hindern aber den Koalitionspartner SPD nicht, ebenso wie die Linkspartei und die Grünen über den CDU-Mann herzufallen. Nur ausgerechnet der Sozialflügel der Union, von dem man das nicht unbedingt erwartet hätte, unterstützt Pofalla. Zur christlichen Soziallehre gehöre der Grundsatz, "dass sich die kleinen Lebenskreise zunächst einmal selber helfen sollten", sagt der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels Laumann.

Die Zeitungskommentatoren hingegen halten den Vorschlag des CDU-Generalsekretärs fast durchgängig für abwegig und eine Zumutung. Beim Kollegen von der Rhein-Neckar-Zeitung scheint dabei der Zorn die Sprache zum Entgleisen gebracht zu haben: "In der Sache gehört Pofallas Vorstoß in die politische Kategorie Bullshit", schreibt er. "Die Begründung dafür kommt auf dem Zahnfleisch mangelnder schwarz-roter Handlungsfähigkeit daher. Sein Hinweis auf die ausufernden Kosten von Hartz IV ist ein Armutszeugnis, aber für Leute wie ihn, die es nicht schafften, das Gesetzeswerk missbrauchssicherer zu machen."

Abgesehen von dem schrägen anatomischen Bild könnte man hier erstens fragen, ob der Hinweis auf die hohen Kosten von Hartz IV nicht durchaus ein ernstes politisches Argument dafür sind, über Änderungen nachzudenken - und zweitens, was es mit "Missbrauch" zu tun hat, wenn das Gesetz bislang regelt, dass Kinder eben nicht für arbeitslose Eltern  haften. Das kann man ja für richtig halten, man kann dann aber nicht gleichzeitig Politiker dafür schelten.

Aber den Kollegen von der Rhein-Neckar-Zeitung ficht so etwas nicht an, schließlich - so wütet er weiter - sei der Pofalla-Vorstoß "ein Armutszeugnis für die passive Arbeitsmarktpolitik der Koalition", zudem sei das "Gesäusel" über familiäre Solidarität "scheinheilig. Vor allem dann, wenn es von den einzigen Pofalla-Mitkämpfern, den Arbeitgebern, kommt." War der Arbeitgeber-Büttel nicht ein anderer CDU-Politiker namens Röttgen? Egal, Hauptsache feste druff.

Die Oldenburgische Volkszeitung geht da etwas vorsichtiger vor. Aber auch sie hält gar nichts von einem "staatlichen Zwang" zu innerfamiliärer Solidarität. "Familienbande - das lässt sich nicht verschreiben wie ein Medikament. Oder gar per Gesetz anordnen. Wenn Kinder ihre Eltern unterstützen - ob sie nun betucht sind oder nicht - dann tun sie es aus einem Gefühl der generationsübergreifenden Dankbarkeit und tiefen Verwurzelung heraus. Und nicht, weil irgendein Polit-Schlaukopf mit gesetzlichen Winkelzügen die öffentlichen Kassen entlasten will, nur um auf diese Weise zu kaschieren, dass die Arbeitsmarkt-Experten in Berlin mit ihrem Latein am Ende sind."