Wie verdient man viel Geld mit Teenagern, die gerne im Internet schreiben? Man verkauft der Suchmaschine Google eine teure Eintrittskarte. Das hat News Corporation, der Mutterkonzern des Internetportals MySpace, gerade getan. 900 Millionen Dollar an Werbeeinnahmen garantiert Google, wenn MySpace die Maschine als exklusive Suchfunktion auf seine Seiten einbaut. Der Vertrag ist auf drei Jahre und neun Monate angelegt. Im Oktober soll die Zusammenarbeit beginnen.

MySpace lebt von seinen Nutzern. Mehr als 100 Millionen Menschen, viele Amerikaner, immer mehr Deutsche, und die meisten von ihnen Jugendliche, haben auf MySpace ihre eigene Internetseiten angelegt, auf denen sie sich vorstellen und mit Freunden Kontakt halten. Dazu schreiben sie in ein öffentlich zugängliches Profil. In dem steht, welche Musik sie mögen, was sie anziehen und wo sie wohnen und arbeiten. Immer mehr Menschen tummeln sich an solchen virtuellen Orten. Schon macht ein neuer Begriff die Runde: digital natives , die Eingeborenen des Internets . Ihre Vorlieben werden zum Maß in der Werbung und im Medienangebot. Im Ringen um die Aufmerksamkeit der Massen konkurrieren mit einem Mal klassische Medienkonzerne mit Internetangeboten wie Google oder Yahoo.

100 Millionen Nutzer wie MySpace erreicht kaum ein Massenmedium der Welt. Das hatte Rupert Murdoch erkannt, als er im vergangenen Jahr dafür sorgte, dass der Medienkonzern News Corporation, den Murdoch gründete und den er immer noch beherrscht, das Portal kaufte. 580 Millionen Dollar musste News Corporation damals auf den Tisch legen. Die fließen nun wieder zurück. Insofern ist der Versuch eines etablierten Konzerns (zu News Corporation gehören unter anderem die 20th-Century-Fox-Studios und der Nachrichtensender Fox), sich einen neuen Werbemarkt zu erschließen, zunächst gelungen. Wie viel er noch nach Ablauf des Vertrags mit Google erbringen wird, ist allerdings unsicher.

Das liegt am System Google. Es setzt darauf, dass auf MySpace möglichst viele Suchanfragen gestellt werden, neben denen Google dann passende Anzeigen platzieren kann. Die Anzeigenplätze aber versteigert Google selbst, und nicht jedes Suchwort ist gleich viel wert. "Datenrettung" bringt beispielsweise viel, weil verzweifelte Nutzer abgestürzter Computer gerne Geld bezahlen, damit ihnen geholfen wird. Ob aber das jugendliche MySpace-Publikum nach geldwerten Worten suchen, ist völlig offen. Erst, wenn die Garantiezahlung an MySpace geleistet ist, wird Google an den Anzeigen verdienen. Der Suchgigant muss darauf hoffen, dass besonders oft nach "Pannini-Fußball-Bildchen" oder "Gameboy-Spielen" gefahndet wird. Macht sich das Geschäft bezahlt, darf MySpace auf Verlängerung hoffen. Oder auf ein besseres Angebot der Konkurrenten Yahoo und MSN.

Der Deal ist also weniger sicher, als er zunächst erscheint. Immerhin: Weil die Nutzerprofile von MySpace so umfangreich sind, könnte Google jeder Suchabfrage individualisierte Werbung zuordnen. Oder, so spekulieren einige Beobachter, Google hofft darauf, bald schon passende Werbelinks neben einzelnen Benutzerprofilen zu platzieren. Belegt ist diese Absicht nicht. Sie würde vermutlich eine neue Diskussion über den Datenschutz im Netz heraufbeschwören.

In jedem Fall ist es Google gelungen, die Konkurrenten von Yahoo und MSN auszustechen. Halb so wild, sagen die: Weil sie selbst social-software -Angebote betreiben, hätten sie ohnehin weniger Interesse an MySpace. Ein vorgeschobenes Argument? Jedenfalls wächst gegenwärtig keine amerikanische Website so stark wie MySpace. Und am Ende könnte Google als Gewinner vom Platz gehen.

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