Endlich ist die fußballlose Zeit vorbei! In den Stadien und vor dem Fernseher wird wieder mitgefiebert. Egal, ob ein Tor fällt oder gehalten wird, ob die eigene Mannschaft gewinnt oder verliert - die Emotionen kochen hoch.

Ganz im Gegensatz zum Fußballstadion sollte auf dem Börsenparkett eigentlich kühle Rationalität regieren. Leider ist das derzeit nicht der Fall; die Akteure am Aktienmarkt scheinen die Geduld zu verlieren. Sie werden nervös, die Gefahr, dass sie vorschnell falsche Entscheidungen treffen, steigt. Nur – was ist der Grund?

Seit fast drei Wochen, genau seit dem 25. Juli, scheinen die europäischen Aktienmärkte gefangen zu sein in einer Lethargie, die keine klare Richtung vorgibt. Der Dow Jones EuroSTOXX 50-Index beispielsweise bewegte sich in diesem Zeitraum in der sehr engen Bandbreite zwischen 3620 und 3730 Punkten. Dass Aktienmärkte innerhalb von drei Wochen eine Schwankungsbreite von rund drei Prozent aufweisen, ist sehr ungewöhnlich. Es zeigt: Die Marktteilnehmer wissen einfach nicht, wohin die Reise gehen soll.

Nun sind die Märkte in dieser Zeit ja nicht einfach auf der Stelle getreten. Es gab sehr wohl ausgeprägte Reaktionen auf wichtige Ereignisse. Die EZB und die Bank von England haben die Zinsen erhöht, die US-Notenbank hat es nicht getan , einzelne Konjunkturindikatoren haben positiv wie negativ überrascht, und die in Großbritannien in der vergangenen Woche vereitelten Anschläge boten ebenfalls einen Anlass, der die Kurse nachhaltig in eine Richtung hätte treiben können. Alleine, keine Tendenz konnte sich durchsetzen.

Die Orientierungslosigkeit hält nun schon lange an, und sie macht den Investoren zu schaffen. Der Markt ist derzeit wie ein Stürmer, der schon 80 Minuten lang auf dem Platz hin und her läuft, von dem man aber bisher noch kaum etwas gesehen hat. Einige Male war er in Ballbesitz, konnte aber noch keine klare Chance herausspielen. Immer wieder hat er die sich bietenden Chancen verstolpert. Mal versuchte er rechts am Gegner vorbeizugehen, mal versuchte er es links. Nichts hat bisher funktioniert.

Ähnlich ist es an den Börsen. Die Aktienmärkte haben aufgrund der ausgebliebenen Zinserhöhung durch die Fed kurzzeitig frohlockt, die Aufwärtsbewegung ist aber noch am gleichen Tag im Keim erstickt. Auch die vereitelten Anschläge konnten dem Markt keine Richtung vorgeben: Die europäischen Märkte haben nach unten korrigiert. Kaum kamen aber die US-Investoren ins Spiel, drehten sie wieder nach oben.