So gibt sich das politische Berlin derzeit jenseits der Außenpolitik zwar ruhig, fast ausgestorben. Doch ist das nur mit der Banalität der Sommerpause zu erklären. Beruhigt ist hier keiner. Es herrscht eher große Ratlosigkeit unter den Parlamentariern. Weil sie erstmals nach dem überstürzt-überraschenden Wahlkampf 2005 und der von ihnen ungewollten und im Alltag zermürbenden Politik einer Großen Koalition zum längeren Nachdenken kommen. Man könnte auch Wundenlecken sagen. Bittere, harte Worte fallen über die eigene Truppe wie die Wähler im Lande: Diese Gesellschaft sei bis weit in die politische Klasse hinein strukturell unfähig, komplizierte Reformen überhaupt zu verstehen, andererseits sei die Politik zu weit weg von den Menschen.

Es gibt darüber hinaus eine verbreitete Resignation angesichts des nicht gelungenen großen Wurfs bei der Gesundheitsreform, nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in den eigenen Reihen. Wie viel Reformpolitik ist unter Bedingungen der Großen Koalition wirklich möglich? Die Handelnden wirken darüber zutiefst verunsichert. Dabei ist es nicht sehr hilfreich, dass sich diese Unsicherheit in ihren Wahlkreisen, bei Bürgern wie Parteimitgliedern spiegelt und sich beide Seiten, Basis wie die Berliner Ebene, damit gegenseitig in ihrer Unsicherheit verstärken.

Die Regierung ist in ihrem ersten Sommer unzufrieden mit sich selbst – mit ihrer Außenwirkung, der mangelhaften Darstellung ihrer Politik und dem Fehlen der langfristigen Linien. Ein entspanntes Sommerloch sähe anders aus.