Es ist das erste Mal, dass sich der Literatur-Nobelpreisträger zu seiner Mitgliedschaft in Hitlers Schutzstaffel äußert . Er sei kurz vor Kriegsende einberufen worden. In einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Samstagsausgabe) bestätigte er diesen Sachverhalt. Der dpa sagte Grass auf die Frage, warum er jetzt erst dies in seinem Buch öffentlich mache: »Ich habe das, im Rückblick, immer als einen Makel empfunden, der mich bedrückt hat und über den ich nicht sprechen konnte. Das musste mal geschrieben werden.« Der Schriftsteller fügte hinzu, in der Zeit seines Einsatzes seit Februar/März 1945 bis zu seiner Verwundung am 20. April 1945 keinen einzigen Schuss abgegeben zu haben. Grass war damals 17 Jahre alt.

Grass erläuterte gegenüber der FAZ während seiner Zugehörigkeit zur Waffen-SS keine Schuldgefühle gehabt zu haben. »Und für mich, da bin ich meiner Erinnerung sicher, war die Waffen-SS zuerst einmal nichts Abschreckendes, sondern eine Eliteeinheit, die immer dort eingesetzt wurde, wo es brenzlig war, und die, wie sich herumsprach, auch die meisten Verluste hatte«, sagte er weiter. Später jedoch habe ihn dieses Schuldgefühl als Schande belastet. »Es war für mich immer mit der Frage verbunden: Hättest Du zu dem Zeitpunkt erkennen können, was da mit Dir vor sich geht?«, heißt es in der FAZ. Er habe ja seinen Lernprozess durchgemacht und daraus seine Konsequenzen gezogen. Seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS sei allerdings auch nicht das »dominierende Thema« der Autobiografie.

Bislang hieß es in den Biografien des am 16. Oktober 1927 geborenen Schriftstellers, er sei 1944 als Flakhelfer eingezogen worden und habe dann als Soldat gedient. In seinem Erinnerungsbuch »Beim Häuten der Zwiebel« schreibt Grass außerdem, dass er sich mit 15 Jahren freiwillig zur U-Boot-Truppe habe melden wollen, aber wegen seines jungen Alters nicht genommen wurde. Grass sagte der dpa, er habe dann mit 16 Jahren wie der gesamte Jahrgang 1927 im Jahre 1944 den Einberufungsbefehl erhalten. Er sei im Winter 1944/1945 dann nicht der Wehrmacht, sondern der Waffen-SS zugeteilt worden. »Im letzten Kriegsjahr hat die Waffen-SS nicht nur Freiwillige genommen.«

Grass hat nie ein Hehl daraus gemacht, als Jugendlicher für die NS-Propaganda empfänglich gewesen zu sein. In seiner Zeit bei der Waffen-SS habe er allerdings die Division Frundsberg, der er zugeordnet wurde, nach eigenen Angaben niemals gesehen. Stets seien aufs Neue Verbände zusammengewürfelt und zum Einsatz gebracht worden, die schon wenige Tage später zersprengt wurden. Als Mitglied von zwei Spähtrupp-Unternehmen geriet Grass hinter die russischen Linien, erlebte grausame Kriegsszenen und überlebte nur, wie er selber sagt, durch Zufall.

In seiner Autobiografie schildert der Literaturnobelpreisträger seine Kindheit in Danzig, Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft sowie seine Anfänge als Künstler im Nachkriegsdeutschland. Außerdem berichtet Grass in dem Buch und in dem FAZ -Interview auch über seine Bekanntschaft mit dem heutigen Papst, der wie Grass als Kriegsgefangener im bayerischen Bad Aibling interniert war. Die Startauflage des Buches beträgt nach Angaben des Steidl Verlags 150.000 Exemplare.

Wie Kollegen und Kritiker auf Grass' Eingeständnis reagieren