Mit Wiktor Janukowitsch verbindet Russlands Präsident nicht die besten Erinnerungen. Vor knapp zwei Jahren hatte Wladimir Putin als großrussischer Wahlhelfer auf den damaligen ukrainischen Präsidentschaftskandidaten Janukowitsch gesetzt – mit gütigem Händedrücken und einem Militärparadenbesuch nach bester Sowjettradition in Kiew.

Bald nach Schließung der Wahllokale blamierte er sich erst recht, als er Janukowitsch vorschnell zum Erfolg gratulierte. Denn die Proteste der orangefarbenen Opposition fegten Janukowitschs gezinkten Sieg dahin, und der eher widerwillige Revolutionär Wiktor Juschtschenko wurde Präsident. Putin, beteuert ein ehemaliger Mitarbeiter der russischen Regierung, habe unter seiner damaligen Fehleinschätzung "extrem gelitten".

Nach dem Zerfall der orangefarbenen Koalition hat es Janukowitsch vor knapp zwei Wochen auf den Posten des Ministerpräsidenten geschafft. Zu seinem ersten Auslandsbesuch brach er am gestrigen Dienstag ins russische Sotschi auf. Aber ob Putin jetzt seine Freude an ihm haben wird, bleibt offen.

Denn der als prorussisch etikettierte Janukowitsch hat sich bisher im Sehnen nach der Macht von seinen wichtigsten Wahlversprechen, der Aufwertung der russischen Sprache in der Ukraine und der Anlehnung an Russland, weitgehend verabschiedet. Gegenüber Präsident Juschtschenko verpflichtete sich Janukowitsch auf einen Westkurs vor allem in Richtung Europäische Union. Nur seiner Abneigung gegenüber einem Nato-Beitritt bleibt er mit gemilderten Worten treu.

Janukowitsch verkörpert den ukrainischen Politikertyp aus der Amtszeit des früheren Präsidenten Leonid Kutschma: Mal bauernschlau, mal skrupellos schmeichelt er nach West und Ost, um überall Vorteile einzustreichen. Kutschma verstand es meisterlich, den russischen Präsidenten seine tiefe Zuneigung und das Verständnis zu vermitteln, sie sei nur mit billigem Gas und sonstigen Subventionen aus dem Moskauer Haushalt auf Höhe zu halten.

Allerdings haben sich die Zeiten geändert: Heute will Putin, der wie ein großer Teil der russischen Elite von der Absetzbewegung der Ukrainer verärgert ist, mehr Bares für das russische Erdgas sehen. Zum Jahresbeginn hatte der russische Monopolist Gasprom sogar kurzzeitig das Gas abgestellt, um der damaligen orangefarbenen Regierung eine Preiserhöhung aufzuzwingen.