Das Thema Riester-Rente droht eine Art Dauerbrenner dieser Kolumne zu werden. Das ist angesichts der Tatsache, dass die Altersvorsorge einen Schwerpunkt der Lebenslagen darstellt, an sich nicht verwunderlich. Aber es darf natürlich auch nicht langweilig werden. Davon ist das Thema momentan allerdings weit entfernt, denn es kommt politische Bewegung in die Sache: Finanzminister Peer Steinbrück, immer auf der Suche nach neuen Einnahmequellen und bestrebt, Steuervergünstigungen zu streichen, will nach der Eigenheimzulage nun auch die Wohnungsbauprämie abschaffen. Im Gegenzug soll Wohnungseigentum in die Riester-Förderung miteinbezogen werden. Dadurch ändert sich einiges für jeden, der auf ein Eigenheim spart.

Derzeit unterstützt der Staat Bausparer mit zwei Förderinstrumenten, der Bausparprämie und der Arbeitnehmersparzulage auf vermögenswirksame Leistungen (VL) . In nackten Zahlen ausgedrückt sieht das so aus: Auf jährliche Einzahlungen von bis zu 512 Euro,  bei Ehepaaren 1024 Euro, zahlt der Staat eine Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent, höchstens jedoch 45,06 Euro - wenn das zu versteuernde Jahreseinkommen 25.600 Euro, bei Verheirateten 51.200 Euro, nicht übersteigt. Je nach Familienstand und Kinderzahl kann das Bruttoeinkommen jedoch im Einzelfall wesentlich höher sein.

Wer außerdem zusätzlich zu den genannten Beträgen noch seine VL in den Vertrag einzahlt, bekommt für maximal 470 Euro,  Verheiratete 940 Euro, eine Arbeitnehmersparzulage von neun Prozent obendrauf, maximal also 43 Euro. Auch hier gibt es eine Einkommensgrenze. Sie liegt für Ledige bei einem zu versteuernden Einkommen von 17.900 Euro, für Verheiratete gilt die Grenze von 35.800 Euro. Der Bausparer kann also, ein entsprechend niedriges Einkommen vorausgesetzt, beide Fördertöpfe unabhängig voneinander anzapfen, bis zu einer Sparsumme von maximal 988 Euro, bei Verheirateten sind es 1.964 Euro).

Angesichts der vergleichsweise niedrigen Einkommensgrenzen dürfte jedem klar sein, dass Steinbrück die Abschaffung der Wohnungsbauprämie kaum allzu viel bringen dürfte. Gerade mal 500 Millionen Euro werden es sein, heißt es aus dem Ministerium. Dagegen könnte ihn die Einbeziehung von Wohneigentum in die Riester-Förderung teuer zu stehen kommen, denn hierauf hat bekanntermaßen jeder Arbeitnehmer unabhängig von seinem Einkommen Anspruch . Gute Zeiten also für angehende Häuslebauer und Wohnungskäufer - möchte man meinen.

Doch das ist noch gar nicht sicher. Denn zunächst muss der Finanzminister seine Pläne gegen den Widerstand der Koalitionspartner CDU und CSU durch das Kabinett und dann das Parlament bringen. Bei der Gelegenheit wird er auch genauer erklären müssen, in welcher Form er Immobilienbesitzern ermöglichen will zu riestern. Am wahrscheinlichsten scheint derzeit folgende Version: Der Sparer kann einen Teil des angesparten Kapitals aus seinem Riester-Vertrag entnehmen und zur Finanzierung einer Immobilie verwenden. Diesen Betrag zahlt er in Raten zurück. Aus Sicht des Fiskus genießt er damit einen geldwerten Vorteil, der fiktiv verzinst werden muss. Das bedeutet, dass bei Fälligkeit des Vertrages, spätestens aber wohl bei Renteneintritt, mit dem kompletten Riester-Kapital auch die fiktiven Zinsen nachträglich versteuert werden müssen.

Das klingt zunächst sehr kompliziert - vor allem aber ist es wenig durchdacht. Gehen wir einfach davon aus, dass die meisten Immobilienkäufer, die das Objekt für sich selbst nutzen wollen, zwischen 40 und 45 Jahre alt sind. Vorher dürfte im Normalfall selten das notwendige Eigenkapital vorhanden sein, und für ältere Käufer dürfte es zeitlich eng werden, die Immobilie bis zum Rentenalter schuldenfrei zu bekommen. Gehen wir weiter davon aus, dass, wenn der Sparer bereits mit dem Berufseintritt riestert, er bis zum Erwerbszeitpunkt 20 Jahre lang pro Jahr 1000 Euro spart. Das ist eine sehr optimistische Rechnung, denn zum einen werden viele Akademiker vor ihrem 45. Geburtstag noch keine 20 Jahre gearbeitet haben, zum anderen werden viele Sparer vor allem in den ersten Jahren nach ihrem Berufseinstieg eher wenig verdienen und nicht in der Lage sein, in jedem Jahr 1000 Euro zurückzulegen.