Die israelische Armee ist am Donnerstag tiefer in den Süden des Libanons vorgestoßen, während in New York die Verhandlungen über eine Lösung des Konflikts stockten. Israelische Soldaten lieferten sich mit der Hisbollah-Miliz heftige Kämpfe um die südlibanesische Ortschaft Mardschajun. Der Beginn der vom israelischen Sicherheitskabinett am Mittwoch beschlossenen Offensive bis zum Fluss Litani sei aber um einige Tage verschoben, um diplomatischen Bemühungen Zeit zu lassen, erklärten israelische Minister. Unterdessen forderten internationale Hilfsorganisationen dringen Zugang zu den über 100 000 Zivilisten, die im Kampfgebiet im Südlibanon abgeschnitten sind.Die USA hatten indirekt die israelische Führung wegen der angekündigten Ausweitung der Offensive im Libanon kritisiert. "Eine Eskalation ist etwas, was wir nicht sehen wollen", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow. Die Hisbollah feuerte am Donnerstag nach israelischen Angaben wieder mindestens 110 Raketen auf den Norden Israels ab. Eine Frau und ihr Kind seien dort getötet worden, hieß es in israelischen Berichten. Die Armee teilte mit, am Vortag seien 15 israelische Soldaten bei Kämpfen mit der Hisbollah getötet worden. Dies sei der blutigste Tag für die israelischen Streitkräfte seit Beginn der Kampfhandlungen am 12. Juli gewesen.Die israelische Luftwaffe flog binnen 24 Stunden mindestens 150 Angriffe auf Ziele im Libanon. Schiffsartillerie beschoss zum ersten Mal Stadtviertel in der Nähe des Zentrums von Beirut.Die USA und Frankreich haben noch keine Einigung über die geplante Libanon-Resolution des Weltsicherheitsrates erzielt. Der Hauptstreitpunkt ist der Zeitpunkt, zu dem die israelischen Truppen aus dem Libanon abziehen sollen. Frankreich will, dass dies geschieht, sobald die libanesische Regierung wie angeboten 15 000 Soldaten in den Südlibanon entsandt hat. Die USA dagegen unterstützen die Position Israels, wonach die israelischen Soldaten so lange bleiben müssen, bis eine internationale Sicherheitstruppe im Südlibanon eingerückt ist. UN-Diplomaten warnten, es bleibe nicht mehr viel Zeit für eine friedliche Beilegung des Konflikts: Wenn die israelische Bodenoffensive im Libanon erst einmal richtig angelaufen sei, werde sich Israel kaum noch zum Einlenken bewegen lassen.Der EU-Chefdiplomat Javier Solana will von Freitag bis Sonntag bei einem Besuch im Nahen Osten nach einer Möglichkeit zur Beendigung des Konflikts suchen. Erste Station ist Beirut, danach will Solana mit der israelischen und palästinensischen Führung sprechen.Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, sagte in Genf, Israel habe die Küstenstraße nach Tyrus systematisch zerbombt und damit jeden Zugang zur Bevölkerung im Südlibanon blockiert. Größtes Problem in der Region sei der Treibstoffmangel. Schon vier Krankenhäuser hätten deswegen schließen müssen. Zwei von der UN gecharterte Tanker müssten weiterhin vor der Küste warten. Die systematische Zerstörung der Infrastruktur im Südlibanon und im Gazastreifen habe keinerlei militärischen Sinn, sagte Egeland. Trotz der Offensive erlebe Israel derzeit den größten Terror seiner Geschichte.