Die israelische Luftwaffe flog am frühen Freitagmorgen mehrere Angriffe auf Ziele im Nachbarland. Bei einem Treffer auf eine Brücke nahe der nördlichen Ortschaft Akkar seien fünf Menschen getötet worden, teilte die libanesische Polizei mit. In Beirut waren mindestens zehn schwere Explosionen zu hören. Über den südlichen Vororten stieg Rauch auf. Weitere Ziele waren die Straße nach Arida an der nördlichen Grenze zu Syrien sowie die Ortschaft Masnaa an der östlichen Landesgrenze.

Bei Kämpfen im Südlibanon mit der radikal-islamischen Hisbollah wurde in der Nacht ein israelischer Soldat getötet, neun weitere wurden verwundet. Damit kamen seit Beginn des Krieges vor einem Monat bereits 124 Israelis ums Leben, davon 84 Soldaten. Bei den übrigen Opfern handelt es sich um Zivilisten, die bei Raketenangriffen der Hisbollah auf den Norden Israels starben. Insgesamt fielen schon über 1000 Menschen dem Krieg zum Opfer.

Unterdessen ging in New York das Ringen um eine UN-Resolution weiter. Bei den Verhandlungen wurden angeblich Fortschritte erzielt, eine Einigung blieb aber aus. Ein Durchbruch an diesem Freitag sei möglich, hieß es. UN-Generalsekretär Kofi Annan strebt  die Verabschiedung der Resolution bis spätestens Sonntag an. Der angestrebte Kompromiss sieht nach Angaben aus UN-Kreisen so aus, dass die israelischen Truppen nicht sofort vollständig aus dem Libanon abziehen, sie aber nach der Verabschiedung der Resolution mit dem Abzug beginnen sollen. Während sich die Israelis stufenweise zurückziehen, sollen libanesische Einheiten in das Gebiet einrücken und die UN-Blauhelm-Einheiten dort verstärkt werden. Die Resolution werde die "Gleichzeitigkeit" dieser Truppenbewegungen unterstreichen, sagte ein Diplomat.

In dem ursprünglichen Vorschlag der USA und Frankreichs war ein Abzug Israels nicht erwähnt. Darauf besteht aber die libanesische Regierung. Russland, das den amerikanisch-französischen Entwurf als Vetomacht ebenfalls abgelehnt hatte, veröffentlichte jetzt einen eigenen Resolutionsentwurf. Er sieht einen 72-stündigen Waffenstillstand für humanitäre Hilfsleistungen vor. Auf die Franzosen und Amerikaner könne man nicht warten, sagte der russische UN-Botschafter Vitali Tschurkin. Westliche Diplomaten taten dies als Profilierungsversuch ab.

EU-Chefdiplomat Javier Solana will bei einem Besuch im Nahen Osten ebenfalls nach Wegen zur Beendigung des Konflikts suchen. Erste Station ist an diesem Freitag Beirut, danach will Solana mit der israelischen und palästinensischen Führung sprechen.

In der Hoffnung auf eine diplomatische Lösung hatte die israelische Regierung am Donnerstag eine beschlossene Ausweitung der Bodenoffensive bis zum Litani-Fluss zunächst ausgesetzt. Israelische Medien berichteten, die Militärführung sei über diese Entscheidung der Regierung sehr verärgert. Die Offensive sei bereits im Gange gewesen, als der Befehl zum Stopp des Vormarsches kam.