Die Grundsatzentscheidung, sich nach der UN-Resolution an dem Einsatz im Südlibanon zu beteiligen, sei bereits getroffen, berichtet die Deutschen Presse-Agentur (dpa) unter Berufung auf Regierungskreise. An diesem Mittwoch kommt die Koalitionsspitze an einem geheim gehaltenen Ort zu Beratungen über die deutsche Beteiligung zusammen. Teilnehmen werden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chef Kurt Beck, Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) und der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber.

Möglicherweise werden Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nach Rückkehr von dessen dritten Nahost-Reise die Öffentlichkeit noch in dieser Woche über die grundsätzliche Verständigung innerhalb der Regierung unterrichten. Die Hauptbedenken zahlreicher Politiker bestehen im Einsatz von Kampftruppen an der Grenze zwischen Libanon und Israel. Dies berge die - möglicherweise nur theoretische Gefahr - einer Konfrontation zwischen deutschen und israelischen Soldaten, wird argumentiert.

Bei dem Bundeswehr-Einsatz wird das Schwergewicht offenbar zunächst auf der Marine liegen. Die Deutsche Marine ist im Rahmen der NATO-Operation "Active Endeavour" bereits mit Einheiten im Mittelmeer. Diese könnten, so hieß es, bei der Seeüberwachung vor den Küsten Libanons und Israels durch eine Fregatte ergänzt werden, um Waffenlieferungen an die radikal-islamische Hisbollah zu verhindern.

Überlegt wird auch der Einsatz von Schnellbooten. In den Planungen ist ferner der Einsatz von Pioniereinheiten, die sich vor allem am Wiederaufbau der Infrastruktur im Libanon beteiligen könnten. Die genannte Zahl von 3000 deutschen Soldaten wurde - zumindest für die Anfangsphase der Friedensmission - allerdings als übertrieben und "hochgradig spekulativ" bezeichnet.

Nachgedacht wird in der Bundesregierung auch über eine Beteiligung des Technischen Hilfswerks (THW), beispielsweise zur Gewinnung von Trinkwasser oder zur Errichtung von Unterkünften. Für einen THW-Einsatz ist, im Gegensatz zu einer Beteiligung deutscher Soldaten, kein Bundestagsbeschluss notwendig. Mitglieder der Bundespolizei - des früheren Bundesgrenzschutzes - könnten Sicherungsaufgaben an der libanesisch-syrischen Grenze übernehmen. Dies wird jedoch von der Polizeigewerkschaft strikt abglehnt.

In letzter Instanz wird der Bundestag über das Bundeswehr-Mandat befinden. Eine Präzisierung von Art und Umfang des deutschen Beitrags wird nach der Kabinettssitzung unter Merkels Leitung am Mittwoch kommender Woche erwartet. Die teilweise leidenschaftlich geführte Debatte über den erneuten Bundeswehr-Einsatz im Ausland hielt unterdessen an. Dabei wurden Meinungsunterschiede innerhalb der Regierungsparteien SPD und Union deutlich.