Es ist die dritte Reise Steinmeiers in die Krisenregion seit dem Ausbruch der Kämpfe vor gut einem Monat. Bei den ersten beiden Vermittlungsbesuchen hatte er Syrien noch ausgespart angeblich auch auf Druck der USA. In Damakus wird Steinmeier am Dienstag Präsident Baschar al-Assad und Außenminister Walid al-Muallem treffen. Syrien gilt neben Iran als Hauptförderer der radikalislamischen Hisbollah, die den Krieg mit Israel durch einen Angriff auf eine israelische Patrouille Mitte Juli ausgelöst und seitdem vom Süden des Libanon aus tausende Raketen auf den Norden Israels abgefeuert hatte.

Syrien ist einer der Schlüsselstaaten in dem seit Jahrzehnten schwärenden Nahost-Konflikt und vor allem im Libanon. Damaskus musste seine Truppen zwar im April 2005 aus dem Nachbarland abziehen, übt dort aber immer noch großen Einfluss aus. Mit Israel befindet sich Syrien offiziell immer noch im Kriegszustand, seit Israel im Sechs-Tage-Krieg 1967 die Golanhöhen besetzt und später annektiert hat. Verhandlungen zwischen beiden Ländern in den 90er Jahren scheiterten.

Washington rechnet das Land der "Achse des Bösen" zu. Durch die weitgehende Isolation Syriens sei das Land aber auch mehr oder weniger ungewollt in die Arme Irans und die Nähe von islamischen Extremisten getrieben worden, analysieren Diplomaten. "Wir sollten testen, ob Syrien sich wirklich auf Dauer an den Iran binden will", hatte Steinmeier in einem Zeitungsinterview gesagt. In den vergangenen Wochen hat es entsprechend rege Kontakte zwischen Berlin und Damaskus gegeben. Konkrete Zusagen für eine konstruktive Haltung der syrischen Regierung bei der Suche nach einer Friedenslösung werden bei dem Besuch Steinmeiers dennoch nicht erwartet. Vielleicht noch nicht.

Ein deutliches Signal aus Damaskus wäre mittelfristig eine konziliantere Haltung gegenüber dem Nachbarn Libanon. Syrien betrachtet das Land als Teil des eigenen Staates und erkennt es und die Grenzen daher nicht an. Bis April 2005 trat es im Zedernstaat als Ordnungsmacht auf.

Die drei Stationen von Steinmeiers Nahost-Reise Jordanien, Syrien und Saudi-Arabien haben nach Worten des stellvertretenden Außenamtssprechers Jens Plötner eine Gemeinsamkeit: "Alle drei Länder werden für einen dauerhafte Lösung im Nahen Osten dringend benötigt." Während Steinmeier Amman und Riad in der bereits gezeigten konstruktiven Haltung bestärken will, muss er in Damaskus erst für eine solche Haltung noch werben. Das will er auch mit wirtschaftlichen Argumenten tun. Er stellte dem Assad-Regime intensivere Wirtschaftbeziehungen mit der EU in Aussicht. Brüssel hat zwar ein Assoziierungsabkommen mit Syrien verhandelt, aber noch nicht umgesetzt. Viele andere Länder seien zudem bereit, ihre Beziehungen zu Syrien zu verbessern.

Allerdings zielte die Telefondiplomatie der vergangenen Wochen auch darauf, Damaskus zu vermitteln, dass der Weg aus der Isolation wie Diplomaten es formulierten keine "Einbahn-, sondern eine Zweibahnstraße" ist. Diese Erkenntnis ist in Syrien inzwischen offensichtlich gereift. Dennoch fährt Steinmeier mit vorsichtigen Erwartungen in den Nahen Osten. "Da braucht man einen langen Atem", heißt es im Außenamt in Berlin.