Am Sitz der Vereinten Nationen in New York hieß es, mehrere Länder hätten sich zur Entsendung von Soldaten, Panzern, Hubschraubern und Schiffen für die UNIFIL-Blauhelmtruppe bereit erklärt. Der Startschuss dürfte bei der Truppenstellerkonferenz von UN-Generalsekretär Kofi Annan am Donnerstag fallen. In Berlin treffen sich an diesem Mittwoch die Koalitionsspitze von Union und SPD, um über eine deutsche Beteiligung an der UN-Friedenstruppe zu beraten. Angeblich ist bereits eine grundsätzlich positive Entscheidung gefallen.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) kündigte an, er werde den Vereinten Nationen am Donnerstag konkrete Vorschläge für eine deutsche Beteiligung an der Friedensmission unterbreiten. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) stellte die Entsendung von Bundespolizisten an die libanesisch-syrische Grenze in Aussicht. "Wenn beide Länder das wollen, werden wir uns einer solchen Bitte nicht verweigern", sagte Schäuble der Sächsischen Zeitung .

Die Deutsche Marine ist im Rahmen der NATO-Operation "Active Endeavour" bereits mit Einheiten im Mittelmeer. Diese könnten, so hieß es, bei der Seeüberwachung vor den Küsten Libanons und Israels durch andere Schiffe ergänzt werden, um Waffenlieferungen an die radikalislamische Hisbollah zu verhindern.

Die Vereinten Nationen hoffen, dass die Vorhut das bestehende UNIFIL-Kontingent von etwa 2000 Soldaten bereits in 10 bis 15 Tagen verstärken kann. Nachdem dieser erste Schritt getan sei, könnte die Ablösung der israelischen Streitkräfte durch UNIFIL-Truppen und Einheiten der libanesischen Armee "sehr schnell" vorankommen, hieß es. Voraussetzung sei jedoch, dass das libanesische Militär und die UNIFIL-Einheiten in angemessener Stärke zur Stelle seien.

Die libanesischen Streitkräfte werden am Donnerstag mit der Stationierung ihrer 15.000 Soldaten im Süden des Landes beginnen. Die Soldaten sollen zunächst nördlich und südlich des Litani-Flusses Stellung beziehen. Die libanesischen Truppen sollen von dort zusammen mit der UN-Truppe UNIFIL in die Gebiete vorstoßen, die von israelischen Einheiten verlassen würden. Bereits am späten Dienstagabend waren auf den Hauptverkehrsstraßen von Beirut aus in Richtung Süden Truppenbewegungen zu beobachten.

Die UN-Resolution 1701 verlangt die Entwaffnung der Hisbollah. Deren Führer Scheich Hassan Nasrallah erteilte jedoch einer schnellen Umsetzung dieser Forderung eine Abfuhr. Seine Miliz werde sich "nicht unter Druck oder Einschüchterungen" entwaffnen lassen, sagte er in einer Fernsehansprache. Nasrallah bekräftigte zwar seine Zustimmung zum Einsatz der libanesischen und der UN-Truppen. Diese könnten jedoch "den Libanon nicht verteidigen". Jedenfalls nicht ohne die Hisbollah, meinte er wohl.