Der hochgewachsene Polizist, der mit traditionellem "Bobby"-Helm vor dem Haus Nummer 104 Queens Road im nordöstlich gelegenen Londoner Stadtteil Walthamstow steht, hat gute Laune. Zumindest scheint er gewillt, das Beste aus seinem eher langweiligen Dienst zu machen. "Wir sagen nichts, und wir wissen nichts", verkündet er fröhlich, und beißt von einem Schokoriegel ab. "ein bisschen Zucker, damit man die Nacht durchhält." Seine Kollegin lächelt gequält.

Die beiden stehen vor einem unscheinbaren Haus mit kieselsteinbesprenkelter Fassade Wache. Hier wurde in der Nacht zum Donnerstag der Biochemiestudent Waheed Zaman verhaftet. Er soll Teil einer fantastisch klingenden Verschwörung sein: In bis zu zwölf Maschinen amerikanischer Fluggesellschaften wollte eine Terrorgruppe Flüssigchemikalien schmuggeln, sie während des Transatlantikflugs vermischen und mit der Batteriespannung ihrer Handys oder iPods zur Explosion bringen.

Ob die Chemiebomben an Bord der Passagiermaschinen in drei Wellen mitten über dem Ozean gezündet, oder ob sie - wie US-Geheimdienste vermuten - erst im Anflug auf Städte wie New York, Los Angeles oder Chicago gesprengt werden sollten, ist unklar. Variante eins hätte weniger Spuren hinterlassen, Variante zwei dafür um so größeren Schaden angerichtet.

Doch wer denkt sich solche Greuel aus? Inzwischen wurden 24 der mutmaßlich Beteiligten festgenommen. Die meisten Verhafteten sind britische Muslime, darunter drei Konvertiten. Bis auf einen Mitarbeiter im Sicherheitsbereich des Flughafen Heathrows haben sie alle "normale" Berufe: Pizzabäcker, Maurer, Event-Manager, Taxifahrer, Aushilfskraft im berühmten Spielzeuggeschäft "Hamlyns" auf Regent Street im Westend. Waheed Zaman ist der einzige, der in islamisch-politischen Gruppen eine bekannte Größe ist, geachtet als gläubiger Muslim, ein häufiger Redner auf Veranstaltungen und Demonstrationen, ein früherer Vorsitzender der Islamgesellschaft der Londoner Metropolitan-Universität. Wie viele der Festgenommenen wohnt auch Zaman im Londoner Stadtteil Walthamstow.

Walthamstow ist nicht die feinste, aber auch nicht die übelste Gegend der britischen Hauptstadt. Sie ist sehr gemischt: Ein großer Bevölkerungsanteil ist muslimisch, Einwanderer aus Pakistan und Bangladesch. Aber dort leben auch viele Hindus und Sikhs, und schwarze Immigranten aus Afrika oder der Karibik. Aber Walthamstow hat auch zutiefst englische Seiten. Die Straße hinauf liegt das frühere Anwesen und heutige Museum von William Morris, Designer und Maler, im 19. Jahrhundert Begründer der Kunstgewerbebewegung "Arts & Crafts", bekannt für Wandtapetenmuster und Teeservice.

Mindestens neun der 24 Verhafteten stammen also hierher. Trotz seiner britischen Seiten gilt das Viertel seit Jahren als eine Hochburg des radikalen Islam, Teil von jenem "Londonistan", vor dem Sicherheitsexperten seit Jahren warnen. Doch kaum jemand kann sich vorstellen, dass die mutmaßlichen Attentäter damit etwas zu tun hatten. Schon gar nicht, dass sie, wie er der stellvertretende Chef von Scotland Yard Paul Stephenson sagte, einen "Massenmord von unvorstellbarem Ausmaß" geplant hätten.

Zaman sah gerade mit seiner Schwester Fernsehen, als die Beamten anklopften, ihn verhafteten und das Haus räumten. Dann begannen sie mit der Durchsuchung. Die 24jährige Safeena Zaman kann das alles immer noch nicht fassen. Ihr Bruder sei stolz darauf, in Großbritannien geboren und Brite zu sein. "Er wollte sich sogar bei der Polizei bewerben, als gerichtsmedizinischer Experte. Er liebt Fish & Chips", sagte sie der Boulevardzeitung The Sun .