Viele flüssige Sprengstoffe sind leicht zu mischen - und die Zutaten durch die Sicherheitskontrollen etwa am Flughafen nur schwer zu enttarnen. Mancher Bombenstoff kann Routinekontrollen "vermutlich als Mineralwasser" passieren - das sagte der britische Sprengstoffexperte Clifford Jones von der Universität Aberdeen dem britischen Sender BBC .

»Die meisten dieser Flüssigkeiten sind klar und lassen sich bei einfachen Kontrollen kaum von Wasser unterscheiden«, bestätigte auch Peter Elsner vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie im badischen Pfinztal am Freitag. Das gilt unter anderem für Wasserstoffperoxid und Aceton. Beides sind Zutaten für das bei Terroristen wegen seiner einfachen Herstellung beliebte Tri-Aceton-Tri-Peroxid (TATP) - der Sprengstoff selbst allerdings ist in der Regel fest.

Ein weiterer Vorteil flüssiger Sprengstoffe: Die oft gewöhnlichen Zutaten sind für sich allein in der Regel nicht nur weitgehend unbedenklich, sondern meist auch gut zu handhaben. »Terroristen könnten versuchen, einzeln jeweils relativ ungefährliche Flüssigkeiten an Bord zu schmuggeln und dort zu etwas Explosivem zusammenzumischen«, meint Institutsleiter Elsner. Diese Bombenherstellung sei nicht besonders schwierig, mancher Flüssigsprengstoff lasse sich durch simples Zusammengießen der Komponenten mixen. Feste Sprengladungen seien dagegen in der Regel deutlich komplizierter herzustellen.

Um eine Flugzeugkatastrophe auszulösen, sind nach Darstellung der Experten keine besonders großen Mengen nötig. »Bereits ein Kulturbeutel, mit Sicherheit aber eine Schultertasche voll Sprengstoff wären genug für den Bedarf von Terroristen«, sagte Jones. Richtig platziert genügt möglicherweise sogar schon viel weniger, wie Elsner betont: »100 bis 200 Gramm an der Außenhaut eines Flugzeugs können schon kritisch sein.« Das ist etwa eine Kaffeetasse voll.

Flüssige Sprengstoffe und -zutaten sind Elsner zufolge für Terroristen auch deshalb interessant, weil die Kontrollen darauf bisher nicht besonders geachtet haben. »Drei Passagiere, von denen jeder eine Wasserflasche dabei hat, findet niemand verdächtig.« Die üblichen Durchleuchtungsgeräte sprängen in der Regel auf bedenkliche Flüssigkeiten nicht an, betonte Jones. Diese Sicherheitslücke ist auch nicht leicht zu schließen, erläuterte Elsner: »Es gibt eine Unzahl von Sprengstoffen, man muss nach sehr vielen Substanzen suchen.«

Das könnten auch bereits eingesetzte chemische Detektoren nicht leisten. Zudem sind zahlreiche mögliche Sprengstoffzutaten in anderen Produkten weit verbreitet und für sich allein unbedenklich. Abhilfe könnte Elsners zufolge eine Reihe spezialisierter Detektoren schaffen, die nach mehreren Substanzen gleichzeitig fahnden und so intelligent miteinander verschaltet sind, dass sie bei verdächtigen Kombinationen Alarm schlagen. »Das wird sicher die Lösung sein, die man für die Zukunft anstreben wird.«

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