Noch gleicht die regionale Verteilung der zu Apax gehörenden Telefonanschlüsse in Deutschland einem Flickenteppich. Zwar erreicht die Tochter Versatel mit ihren schnellen Internet- oder Festnetzanschlüssen knapp 20 Prozent der deutschen Haushalte, doch diese konzentrieren sich unter anderem in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen. Dazwischen aber zeigt die Versatel-Landkarte große weiße Flecken.
Heuschrecken werden Finanzinvestoren auch genannt. Im konkreten Fall will Apax jedoch Mehrwert schaffen: Zunächst soll ein flächendeckendes Telefonnetz aufgebaut, dann erst verkauft werden.

Dennoch will Apax der Deutschen Telekom ernsthaft Konkurrenz machen. Geeignetes Mittel zum Zweck scheinen dem Investor weitere Unternehmenskäufe zu sein, wie Apax-Telekomexperte Torsten Krumm dem Handelsblatt sagte. Ganz oben auf der Wunschliste stünden die beiden Stadtnetzbetreiber M-Net in München und Netcologne in Köln. Auch Wiederverkäufer von Festnetzanschlüssen seien interessant.

Die Börse wertete die Apax-Ansage zunächst als schlechte Nachricht für die Deutsche Telekom. Dennoch notierte das Papier am Nachmittag im Xetra-Handel knapp behauptet bei 11,02 Euro, während Versatel in Frankfurt um mehr als fünf Prozent auf 0,85 Euro verloren.

Zu den Wiederverkäufern, auf die Apax ein Auge geworfen haben könnte, gehören in Deutschland beispielsweise Freenet, eine Tochter von Mobilcom, oder AOL. Letzteres hat sein Geschäft mit Internetzugängen schon europaweit zum Verkauf ausgeschrieben. Auch die Freenet-Mutter Mobilcom hat bereits angedeutet, ihre Tochter unter Umständen verkaufen zu wollen. Ein Kauf solcher Unternehmen würde Versatel vor allem neue Kunden verschaffen. Die Stadtnetzbetreiber hingegen brächten ihre Infrastruktur mit ein. Ob M-Net und Netcologne aber überhaupt verkaufen wollen, war am Dienstagnachmittag noch unklar. Sprecher der Unternehmen selbst waren nicht zu erreichen. Medienberichten zufolge sei man jedoch weder in München noch in Köln an einem Verkauf interessiert.

Doch selbst wenn der Kauf gelänge: Ein deutschlandweites Netz, wie von Apax geplant, entstünde dadurch noch nicht.  Versatel-Sprecher Krumm plädiert denn auch für einen schrittweisen Ausbau. "Wir wollen Wiederverkäufer von Festnetzanschlüssen da übernehmen, deren Kunden über unser Netz verteilt sind. Dann bauen wir das Netz gezielt da aus, wo wir über die nötige Menge an Kunden verfügen", sagte er. Bis Mitte 2007 wolle man so auf einen Marktanteil von 30 Prozent wachsen.

Ausreichend Finanzmittel scheinen Apax jedenfalls zur Verfügung zu stehen. Dem Handelsblatt zufolge wollen die Investoren pro Transaktion bis zu 400 Millionen Eigenkapital in die Hand nehmen. In der Regel finanzieren sich Private-Equity-Gesellschaften zu einem Drittel aus Eigen- und zu zwei Dritteln aus Fremdkapital. Das würde bedeuten, dass Apax bis zu 1,2 Milliarden Euro pro Deal ausgeben kann. In der Neuordnung der deutschen Telekommunikationslandschaft dürfte der Fonds jedenfalls eine Rolle spielen. (a.e.)