Seit der Eigentümer des "Hotel am Stadtpark", Günter Mergel, vor einigen Wochen bekannt gab, seine Immobilie an die "Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation" verkaufen zu wollen, kommt Delmenhorst nicht mehr aus den Schlagzeilen. Hinter der ominösen Stiftung verbirgt sich der Hamburger Anwalt und bekennende Neonazi Jürgen Rieger, der wegen Volksverhetzung mehrfach vorbestraft ist. Die niedersächsische Stadt verhandelt nun mit dem Hotelbesitzer.

Die Stadt will Mergel ein Gegenangebot unterbreiten, um zu verhindern, dass Rieger aus dem Hotel ein Schulungszentrum für Rechtsextreme macht – allerdings ist man nicht bereit, die von Mergel geforderten 3,4 Millionen Euro zu zahlen. Mit einem juristischen Trick wollte die Stadtverwaltung zunächst eine Übernahme des Hotels durch Rieger verhindern: Sie erklärte die Gegend um das Hotel kurzerhand zum Sanierungsgebiet und sicherte sich so ein Vorkaufsrecht.

Doch der Jubel der Delmenhorster über diesen Schachzug der Gemeindeväter hielt nicht lange. Am Dienstag erwägte Mergel, das leer stehende Hotel einfach an Rieger zu verschenken. Damit, so Mergel in einer Pressemitteilung, "wäre das Vorkaufsrecht der Stadt Delmenhorst ausgehebelt". Nach dieser Drohung hat das Rathaus nun einen Vermittler eingeschaltet. Es bestehe mittlerweile ein Vertrauensverhältnis zu Mergel, versicherte der Pressesprecher der Stadt, Timo Frers. Ein Gutachter soll zunächst den Wert des Hotels ermitteln. Anschließend wolle man über einen Verkaufspreis verhandeln. Frers stellte klar, dass die Stadt nicht mehr als 1,5 Millionen Euro zahlen werde.

Die Delmenhorster sind unterdessen nicht untätig geblieben. Eine Bürgerinitiative sammelt trotz rechter Androhungen weiter Geld, um die sanierungsbedürftige Immobilie gemeinsam mit der Stadt zu kaufen. Durch Spenden und Veranstaltungen hat die Initiative bisher über 700.000 Euro zusammengetragen – bisher allerdings nur knapp ein Fünftel des von Mergel geforderten Preises.

Angesichts der hohen Summe, die Mergel für das sanierungsbedürftige Hotel verlangt, wird jedoch gemutmaßt, dass es sich um einen Bluff handelt, mit dem er die Stadt unter Druck setzen   will. Wie der nun von der Stadt eingeschaltete Vermittler einer lokalen Zeitung mitteilte, würde Mergel das Hotel auch der Stadt verkaufen – allerdings bestehe er auf den genannten Preis. "Günter Mergel ist mit den Nerven völlig runter. Er will nur seine 3,4 Millionen – und dann weg aus der Gegend."

Es bleibt abzuwarten, was die Vermittlungen ergeben. Doch die Aufmerksamkeit, die der angedrohte Hotelverkauf mittlerweile sogar bei internationalen Medien geweckt hat, hätte nach Meinung vieler verhindert werden können. Die Stadt hätte den schon seit einiger Zeit schwelenden Konflikt mit Mergel zu lange ignoriert, kritisiert die Bürgerinitiative "Für Delmenhorst". Nun sei es zur Eskalation gekommen.

Zur ganzen Aufregung kommt hinzu, dass in drei Wochen Kommunalwahlen in Delmenhorst stattfinden. Die schärfste Kritik an der Politik des Rathauses kommt derzeit von der Mitbegründerin der Bürgerinitiative. Sie ist zugleich Oberbürgermeister-Kandidatin.