Wie der libanesische Rundfunk berichtete, zog sich eine "begrenzte Zahl" israelischer Soldaten aus dem Süden des Landes zurück. Zwar gingen in der Nacht zum Dienstag erneut Raketen in dem Gebiet nieder, doch die Geschosse erreichten Israel nicht und werden deshalb von der israelischen Armee nicht als Bruch des Waffenstillstands angesehen. Zudem scheint unklar, ob sie wirklich von der Hisbollah abgeschossen wurden.

Daneben gab es weitere kleinere Scharmützel. Israelische Soldaten eröffneten mindestens vier Mal das Feuer auf bewaffnete Hisbollah-Kämpfer und töteten sechs Männer. Die Hisbollah-Führung werde weiterhin "an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt" verfolgt, kündigte der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert im Parlament an. Doch trotz der Warnung vor möglichen weiteren Angriffen gegen die Schiitenmiliz machten sich Tausende libanesische Flüchtlinge in langen Autokolonnen auf den Weg zurück in ihre Heimatorte im Südlibanon.

US-Präsident George W. Bush bezeichnet in einer ersten Reaktion die Hisbollah als Verlierer des Konflikts. Ihr Chef Scheich Hassan Nasrallah hatte zuvor hingegen von einem "strategischen und historischen Sieg des ganzen Libanons und der Widerstandsbewegung" gesprochen. Nasrallah versprach all jenen, deren Häuser durch die israelischen Luftangriffe zerstört wurden, "ab morgen" eine Entschädigung zu bezahlen, damit sie diese wieder aufbauen könnten.

Während nun in der Hafenstadt Tyrus die ersten Hilfslieferungen seit Tagen eintreffen und Schwedens Regierung für den 31. August zu einer Geberkonferenz für den Wiederaufbau des Libanons lädt, laufen in New York, Washington und Brüssel die Verhandlungen über die geplante UN-Truppe für den Südlibanon auf Hochtouren. Die USA wollen so schnell wie möglich die Aufstellung einer solchen Truppe, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack in Washington.

Auch die Europäische Union (EU) will so rasch wie möglich Klarheit über die Beteiligung von EU-Staaten. Zwar sei ein "wesentlicher Beitrag" geplant, hieß es am Montag in Brüssel. Bisher sei jedoch noch unklar, wie groß der Anteil der EU-Staaten an der Friedenstruppe sein werde. Am Donnerstag sollen Vertreter der 25 Regierungen in Brüssel zusammenkommen, um über den Stand der Einsatzvorbereitungen zu beraten.

Insgesamt sollen 15.000 Soldaten im Auftrag der UN in den Südlibanon entsendet werden, bislang sind dort lediglich 2000 stationiert. Die Aufstockung ist ein zentraler Punkt in der jüngsten Libanon-Resolution des Weltsicherheitsrates. Schon jetzt ist allerdings absehbar, dass die Truppe möglicherweise mit weniger als den geplanten 15.000 Soldaten auskommen muss.