ZEIT: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 haben Sie viel über die ökonomischen Auswirkungen der Angst gesprochen. Wie sieht es jetzt aus? Geht seit den vereitelten Londoner Terroranschlägen wieder die Furcht um?

Becker: Auf jeden Fall. Die Furcht von damals ist teilweise wieder aufgefrischt worden. Es war aber wirklich nur teilweise, eben weil die Anschläge verhindert wurden.

ZEIT: Die Furcht vor dem Terror wirkt sich auf den Reiseverkehr aus.

Becker: Sie wirkt sich auf viele ökonomische Verhaltensweisen aus. Es stimmt aber, diesmal werden wir die größten Wirkungen im Luftverkehr und sonstigen Reisen sehen. Furcht wirkt anders auf die Wirtschaft als die üblichen ökonomischen Kosten- und Nutzenkalkulationen. Selbst wenn eine Bande von Terroristen jedes Jahr ein paar Flugzeuge sprengen würde, wäre das Reisen per Flugzeug ja immer noch sicherer als das Auto fahren. Trotzdem stiegen damals nach dem 11. September viele Leute auf das Auto um.

ZEIT: Eine irrationale Wirkungen also, die Sie diesmal auch beobachten?

Becker: Ja, aber die Effekte werden kleiner sein, die amerikanische Psyche wurde ja nicht so durchgeschüttelt wie damals. Das liegt teilweise daran, dass sie verhindert wurde, und teilweise daran, dass wir uns an die ständige Drohung des Terrorismus gewöhnt haben.

ZEIT: Kann es auch sein, dass in der amerikanischen Psyche die Terrorfurcht nur eine Angst unter vielen geworden ist? Die Anschläge vom 11. September trafen ein Amerika, das gerade einen der größten Wirtschaftsbooms seiner Geschichte hinter sich hatte. Jetzt gibt es auch viele andere Ängste, vor dem Ölpreis, vor dem Abstieg der Mittelschichten, vor dem Verlust des eigenen Jobs an einen Konkurrenten in China oder Indien, vor fallenden Hauspreisen ...

Becker: Ja, diese Dinge werden jetzt viel diskutiert. Man muss aber auch sehen, dass diese Ängste noch nicht sehr tief sitzen, sie haben das Verhalten der Amerikaner noch nicht nachhaltig beeinflusst. Hauspreise? Die Leute verkaufen nicht massenhaft ihre Häuser. Angst vor ihrem Jobverlust? Ja, Sie sehen jetzt mehr Opposition gegen den Handel mit China, aber solche protektionistischen Tendenzen sind im Prinzip auch nichts Neues.

ZEIT: Wenn Sie bei einer Automobilfirma im Großraum Detroit angestellt sind, ist Ihre Angst vor dem Jobverlust ziemlich real.

Becker: Ja, und sie ist auch berechtigt. Aber ich rede von den Amerikanern insgesamt. Wenn wir heute mehr Angst hätten, würde ich zum Beispiel erwarten, dass wir mehr sparen. Das macht man, wenn man Angst hat. Es findet aber nicht statt. Die amerikanischen Sparquoten sind sehr niedrig.