Die Presse lag auf der Lauer: Seit Montag ist Angela Merkel aus den Sommerferien zurück, die Bundesregierung beendet das Sommerloch. Hatten wir den Eindruck, dass es wirklich eine Pause gab? Im Libanon wütete ein Krieg, in Deutschland ist ein Terroranschlag missglückt, Finanzminister Peer Steinbrück hat sich neue Sparmaßnahmen ausgedacht und eine ganze Reihe von CDU-Landespolitikern hat die Kanzlerin aus dem Urlaub heraus angegriffen. Trotzdem wird Merkels Rückkehr auf die politische Bühne, die Pressekonferenz vom Montag, von den Kommentarseiten sehr beachtet. Wohl auch, weil an diesem Dienstag der Programmkongress der Union tagt.

Besonders kritisch sieht die Welt die Bundeskanzlerin: "Da krachen ihre Umfragewerte in den Keller, explodiert in der CDU eine lang aufgestaute Richtungsdiskussion, gibt es deutschlandweit Ärger über die große Koalition." Seltsam, finden die Springer-Kollegen, der Regierungschefin scheine das nichts auszumachen. "Als säße Ex-Kanzler Helmut Kohl vor uns, sitzt auch Merkel die Kritik an ihr und ihrer Regierung einfach aus."

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums, bei der linksalternativen tageszeitung , kommt Merkel besser weg: Autoritäre Kraftmeiereien, obwohl eventuell hilfreich, habe sie nicht geboten. Stattdessen die Propagierung einer Politik der kleinen Schritte. Das passt zu einer Gesellschaft, meint die taz , in der große politische Würfe nur noch um den Preis intellektueller Vereinfachung oder sozialer Verwerfung zu haben seien. Allzu überzeugt möchte man sich von der Unionschefin dennoch nicht zeigen: Merkel scheue die Auseinandersetzung, sie lege sich nicht fest. "Das erspart ihr die Antwort darauf, ob das, was die Bundesregierung tut, zeitgemäß und modern ist, ob es den gesellschaftlichen Herausforderungen gerecht wird." 

Auch die Süddeutsche Zeitung spült weich. Merkel habe schließlich nicht versucht, sich auf der Pressekonferenz um eine Antwort herumzudrücken. "Sogar sehr deutlich hat sie gekontert und ihrerseits die Bremser vor der Lebenslüge gewarnt, dass man nichts in Deutschland verändern müsse." Das werde jedoch nicht reichen, um die disparate CDU wieder zusammenzuführen. Dazu müsse Merkel ihren Veränderungsanspruch endlich mit Inhalt unterfüttern. "Es reicht nicht, wenn sie sich - wie jetzt wieder - immerfort nur mit der banalen Floskel behilft, wonach mehr Freiheit zu mehr Gerechtigkeit führt."

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung konstatiert: "Die Kanzlerin festigt ihre Autorität nicht mit Machtworten, sondern mit Einlassungen, die einerseits von Offenheit für Argumente zeugen, andererseits aber auch den Eindruck vermitteln, dass sie auf festem Boden eigener Überzeugungen steht." Dennoch habe es irritierend gewirkt, wie kompromisslos Merkel bei aller Diskussionsbereitschaft im allgemeinen die Mehrwertsteuererhöhung und den Gesundheitsfonds verteidigte. "Mit den Dauerreparaturen an Hartz IV vor Augen sollte sie wissen, dass auch eine grundsätzlich richtige Reform schief gehen kann, wenn sie mit Brachialgewalt durchgepaukt wird."

"Den Kompass justieren, ach was, finden, das ist die Voraussetzung", schreibt der Tagesspiegel über die Kanzlerin. "Dieses Hin und Her ihrer Regierung, das sich ausdrückt in einander widersprechenden Auskünften, dieses Nachbessern und Hinzufügen, wo doch eines geholfen hätte: Klarheit. Wofür sie ist. Was sie will. In einer Ansprache, rechtzeitig, am Anfang, nicht erst, wenn sie sicher sein kann, nicht die Erste zu sein, die sich angreifbar macht." Sich die Macht zu erhalten, daran sei nichts Schlimmes - um zu gestalten. "Sie ist nicht so. Alle können es jetzt sehen. Wird sie noch so? Diejenigen, die ihr vertrauen, werden weniger. Jetzt aber heraus aus dem Kokon."