Kinder können das Dasein kulturell bereichern, auch wenn es lange gar nicht danach aussieht. Denn wenn die Kleinen noch richtig klein sind, muss man sich einiges anhören. Kinderkassetten! Die sie immer wieder umdrehen! Die sie von tauben Großmüttern, bösen Tanten und kinderlosen Freunden der Eltern geschenkt bekommen. Törröööh! singt Benjamin Blümchen, Törröööh! Törröööh! Törröööh! Törröööh! Und dann das endlose Einschlafen mit den musikalischen Hervorbringungen des Herrn Rolf Zukowski. Wie schön, wenn das irgendwann aufhört!

Unsere Tochter kam eines Tages mit Tic-Tac-Toe und anderen Girlie-Bands, unsere Söhne – aufgeweckt von Aupairs – mit den Red Hot Chili Peppers oder den Smashing Pumpkins. Ach, wie sich da die Eltern-Ohren freuen!

Nun war es an der Zeit, sich ernsthaft mit dem musikalischen Geschmack seines Nachwuchses zu befassen, ihn zu vergleichen mit dem eigenen und hin und wieder Interesse zu finden an dem, was die Kinder so hören. Natürlich geschieht das auch anders herum. Wir tauschen uns aus. Spielen uns gegenseitig Platten, CDs oder aus dem Internet herunterkopierte MP3-Dateien vor. So entdecken wir alle Neues.

Unsere Kinder erfahren, dass es auch früher, bevor es sie gab, schon Musik gab, sogar solche, die man sich anhören kann, sogar heute noch. Und so hören sie die Beatles, die Doors oder Pink Floyd, gelegentlich auch mal Jazz, gerne Salsa und manches aus den siebziger und achtziger Jahren. Ab und zu gehen wir gemeinsam zu Konzerten. So waren wir zu fünft bei den Toten Hosen und bei der Reggae-Gruppe von Gentleman, wir haben ein ziemlich trashiges polnisches Rock-Festival besucht und einem Auftritt des Buena Vista Social Club in Südfrankreich gelauscht, und wir waren – in kleinerer Besetzung – bei Eminem.

Man mag das für wahllos halten, aber wir Eltern sind musikalisch nicht so festgelegt, und für sie hat es immerhin den Vorteil, aus einem großen Angebot schöpfen zu können. Nur das frühere Abonnement der sonntäglichen Kinderkonzerte der Hamburger Symphoniker hat ihnen gar nicht gefallen – Klassik ist bei uns zu Hause out, da kennen unsere sonst recht offenen Halbwüchsigen kein Pardon.

Die Toleranz endet bei der Lautstärke. Wenn unser 14-jähriger Sohn seinen Hiphop aus dem Wohnzimmer durchs Haus jagt, verbannt ihn der Rest der Familie schon einmal in sein Zimmer. Aber wieviel besser ist das als zu meiner Kindheit! Da dominierte allein der Geschmack des Vaters. Was die Kinder hörten, wollten die Eltern um keinen Preis vernehmen, schon Udo Lindenberg galt ihnen als Ausgeburt musikalischer und sonstiger Verderbtheit.