Vor fast einem Monat, als dieser traurige Krieg noch in den Kinderschuhen steckte, traf ein ausländischer Journalist bei mir zu Hause ein, um einen denkenden Menschen am Ort des Geschehens zu hören, der mit Durchblick und Nüchternheit den Stand der Dinge auf strategisch/ taktisch/ soziologisch/ prophetischer Ebene erklären könnte. Ich versuchte, mit äußerst wenig Erfolg, das Produkt zu liefern. Ich stotterte irgendetwas davon, dass es ein Krieg ohne Wahl sei und dass ich nicht befürchtete, dass Israel die Zerstörung des Libanons herbeiführen würde, weil keine der Seiten irgendeinen Gewinn von einer so heillosen Schädigung unserer Nachbarn hätte, die gerade angefangen hatten, sich vom syrischen Joch zu befreien und versuchten, ihre neue Identität zu formen; ich fügte eine dürftige Weisheit über den gewalttätigen Charakter des Nahen Ostens hinzu und garnierte das Ganze mit der halboptimistischen Hoffnung auf Errichtung eines palästinensischen Staates und Frieden mit all unseren Nachbarn. Der Schweizer nahm mir meine Vorstellung sogar ab, und auch ich fing fast an zu glauben, dass ich irgendeine Ahnung von diesem neuen Krieg hätte, der in unserer Gegend aufzuflackern begonnen hatte. Ein Bild des Hisbollah-Führers Scheich Nassan Nasrallah an der Wand eines zerschossenen Hauses in Bint Dschbeil. Die Siedlung wurde im Libanon-Krieg hart getroffen.

„Sagen Sie“, fragte mich der Journalist noch, als ich ihn zur Tür begleitete, „dieser Krieg, hat er überhaupt schon einen Namen?“

„Noch nicht“, sagte ich, „wenn es irgendwas gibt, das wir aus dem Krieg namens Frieden für Galiläa’ gelernt haben, dann ist es das, Kriegen nicht zu früh einen Namen zu geben.“

Vier Wochen, Dutzende getötete israelische Zivilisten und Soldaten und Hunderte tote libanesische Kinder und Hisbollahkämpfer später, während die Dinge schon anfangen, klar zu werden, möchte ich einen Namen für diesen jüngsten Krieg vorschlagen: „Krieg der Desillusionierung“. Etwas, das ein bisschen so ähnlich bedeutend wie „Staatsgründung“ oder „Unabhängigkeit“ klingt, aber mehr wie verfaulte Realität riecht.

Also wo genau haben wir diesen Krieg angefangen – und sind wir geendet?  Wir fingen an mit einer Armee, deren Führer es lieben, sie als die „stärkste und moralischste Armee der Welt“ zu bezeichnen - und wo sind wir geendet? Mit einer Armee, die sich mehr als jede andere auf der Welt rechtfertigt, charakterisiert von einem schlechten Nachrichtendienst, wahllosen Frustbombardierungen libanesischer Basen und überflüssiger Verletzung von Zivilisten, die hauptsächlich einem Mangel an echter Information über die Hisbollah-Ziele entspringt.

Wir haben mit einer vereinten Führerschaft begonnen und mit einem abgesetzten Generalbefehlshaber geendet, einem fragmentiertem Kabinett mit undichten Stellen, dessen Hauptinteressen in kindischen Egostreitigkeiten und gegenseitigen Schuldzuweisungen bestehen. Wir wollten einen Krieg wie früher, doch wir haben einen mit Unterbrechungen für die Werbung während der Raketenalarme und mit testosteron- und adrenalinangereicherten Promis für Nachrichtensendungen bekommen, die die Dokumentation des Krieges aus der Region wie eine neue Art Reality-Show präsentierten, in der wir uns anschauen dürfen, wer verwundet wird und wer mit uns in der nächsten Stufe weiter mitmacht.