"Wir sehen keine Anzeichen dafür, dass der Iran der Forderung des UN-Sicherheitsrats zum Stopp seines Atomprogramms nachkommt", sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums der "Washington Post" vom Mittwoch. Ein führender Diplomat im Umfeld der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) äußerte sich ähnlich: "Der Ausgang steht fest. Niemand geht ernsthaft noch von etwas anderem aus."

Konträr zu der Forderung des UN-Sicherheitsrats hat der Iran einem Zeitungsbericht zufolge zudem mit der Anreicherung von weiterem Uran begonnen. IAEA-Chef Mohamed El-Baradei soll am Donnerstag einen Bericht über Irans Atom-Aktivitäten vorlegen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) hatte dem Land eine Frist bis 31. August gesetzt, um die Anreicherung von Uran einzustellen. Nach Ablauf der Frist erwägt das höchste UN-Gremium Sanktionen gegen das Land. Allerdings stehen die beiden Veto-Mächte Russland und China dem skeptisch gegenüber.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte zuletzt am Dienstag bekräftigt, er werde in dem Konflikt nicht einlenken. Sein Land habe ein Recht auf die friedliche Nutzung der Atomkraft, und davon könne es niemand abhalten. Westliche Länder fürchten indes, der Iran wolle heimlich Atomwaffen bauen.

Ursprünglich hatten die USA dem Iran bereits eine Frist bis Ende Juli setzen wollen. Diese war dann Diplomaten zufolge um einen Monat verschoben worden, um dem Iran Zeit zum Umdenken zu geben. Russland und China sollte es damit zudem erleichtert werden, Sanktionen gegen den Iran mitzutragen. Bislang sind die beiden Länder für weitere Diplomatie und gegen Sanktionen.

Die USA erwarten nach Angaben des Unter-Staatssekretärs im Außenamt, Nicholas Burns, zwar kein Einlenken des Irans. Die folgenden Schritte stünden aber bereits fest: "Sollten sie dem (Ultimatum) bis Donnerstag nicht folgen, und sollte der Bericht der IAEA bestätigen, dass sie sich weiter um die Anreicherung von Uran bemühen, werden die USA bei den UN mit der Diskussion über Sanktionen beginnen." Dabei seien die USA zuversichtlich, dass am Ende auch eine entsprechende Resolution verabschiedet werde, sagte Burns. Die USA haben schon angedeutet, zusammen mit Verbündeten notfalls auch ohne die UN Sanktionen zu verhängen. Diese könnten wirtschaftlicher und diplomatischer Natur sein, ein Militäreinsatz scheint jedoch ausgeschlossen.

Deutschland hält - wie viele andere Beobachter auch - zügige Bestrafungen für unwahrscheinlich. "Ich glaube nicht, dass man die Zustimmung Russlands und Chinas zu schnellen Sanktionen bekommen wird", sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, der "Financial Times Deutschland". Die USA würden das im UN-Sicherheitsrat zwar vorantreiben. "Aber wir wissen, dass es große Zurückhaltung bei Russland und China gibt." Wichtiger als Sanktionen sei, die bisherige Sechser-Koalition gegen Iran zusammenzuhalten, zu der die USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland gehören.