Es entbehrt nicht der Ironie, dass just an dem Tag, an dem der Premier seine Sorge über "dysfunktionale Familien" äußerte, der schwelende Konflikt in seiner Partei über die Nachfolgefrage in einen offenen Aufstand umschlug. 17 bislang als loyal geltende Labour-Abgeordnete lancierten eine Brief, in dem sie seinen sofortigen Rücktritt forderten. Minister eilten vor Mikrofone, um die rebellischen Hinterbänkler zu beruhigen: Tony Blair werde in einem Jahr nicht mehr Regierungschef sein.

Dann platzte die Sun , das Massenblatt aus dem Hause Rupert Murdochs, mit einem Zeitplan heraus: Blair werde am 31. Mai nächsten Jahres seinen Rücktritt als Parteichef und den Beginn eines achtwöchigen innerparteilichen Wahlkampfes bekanntgeben, an dessen Ende sein Nachfolger gekürt werde. Danach, am 26. Juli, werde er sich als Premier verabschieden.

Doch das reichte nicht, um die Wogen zu glätten. Westminister gleicht einem Tollhaus. Die Spekulationen überschlagen sich. Es darf mit weiteren Briefen gerechnet werden. Ein Juniorminister, der den Brief der 17 mitunterzeichnet hatte, wartete nicht das avisierte Gespräch mit dem Regierungschef ab, sondern erklärte seinen Rücktritt aus der Regierung.

Ein Teil der Labourparty würde sich damit zufrieden geben, wenn Blair endlich selbst erklärte, wann genau er gehen wird. Die Versicherungen von Ministern und Vertrauten über seine Pläne reichen ihnen nicht. Andere dagegen beharren darauf, dass er sofort gehen müsse, je schneller, desto besser. Und dann sind da noch die Anhänger von Schatzkanzler Gordon Brown, der Tony Blair beerben möchte. Sie erklären offen, dass der Zeitplan, der der Sun gesteckt wurde, nicht akzeptabel sei. Blair müsse spätestens im März seinen Hut nehmen.

Blair hat sich bis jetzt mit Händen und Füßen dagegen gesträubt, den Termin seines Abganges zu benennen. Zu Recht fürchtet er, andernfalls nicht nur eine lame duck, sondern eine dead duck zu werden. Doch seine Autorität hat schweren Schaden gelitten. Der Verfall der Macht scheint nicht mehr aufzuhalten.